Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

476 Die Stadtrechte der Latinischen Gemeinden Salpensa u. Malaca rc.
Wirkliche Volksbeschlüsse waren sie freilich nicht, sondern Kaiser-
gesetze, aber vom Kaiser gegeben kraft mittelbarer ihm übertrage-
ner Volkslegislation, nicht bloß vermöge seiner magistratischen
Gewalt. Für zwei Fälle blieb die Form der Lex üblich: für
Ertheilung des Bürgerrechts an verabschiedete Soldaten und für
die Städteordnungen oder Iege8 municipiorum et Coloniarum,
entsprechend den Hallen, für welche auch schon in der republikani-
schen Zeit einzelnen Feldherren eine gleiche Befugniß durch Volks-
beschluß eingeräumt worden war. Beide Arten von Erlassen er-
heischten natürlich eine von dem Wechsel der Person unabhängige
Dauer, und so erklärt es sich daß diese Städteordnungen auch
dann noch aufgestellt und gültig blieben, nachdem das Andenken
ihres Urhebers verdammt und dessen Acta eassirt worden waren
sS. 395.). Interessant aber sind die Bruchstücke schon deßwegen,
weil sie den Beweis liefern daß der einzelnen mit selbständiger
Verfassung begabten Stadt ein sehr ins Einzelne gehendes um-
fangreiches Localstatut verliehen wurde. Uebrige'nS sind die Ge-
setze ihrem Schema nach unzweifelhaft viel älter als die Zeit
ihres speciellen Erlasses. Aus der Uebung abhängige Städte mit
latinischem Recht zu bewidmen, bildete sich allmälig ein stehendes
Schema einer latinischen Gemeindeordnung, das zwar localen
Modificationen unterlag, aber doch im Wesentlichen gleichförmig
war. Neben der innern Evidenz der Sache führt der Herausge-
ber als äußere Beweise dafür zwei Fehler an, die sich nur aus
Mißverftändniß alterthümlicher Sprachformen erklären lassen (quod-
quemque statt quodcumque, alt quodquomque und quicquam
statt quidcum, alt quid quom). Darum haben diese Urkunden
ein allgemeineres historisches Interesse; sie sind Quellen der Er-
kenntnis des latinischen Stadtrechts überhaupt. Der Herausgeber
hebt in seiner Erläuterung folgende Punkte hervor:
1) Die Bürgerschaft. Die Bürger der beiden Städte (mu-
nicipes) sind regelmäßig Latini (cives Latini); die Städte sind
municipia (nach Vespasian Flavia), aber nicht civium Romano-
rum, sondern latina, mit dem Recht des Commercium, eigenen
Magistraten und dem Recht der Erwerbung des römischen Bürger-
rechts durch Bekleidung eines Municipalamtes, und zwar zu-
gleich für Aeltern, Frauen und eheleibliche Nachkommen des ge-
wesenen Magistratus, nicht bloß für dessen Person (maius Latium,

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