Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

464 Revue histor. de Droit francais et etranger.
Erziehung er von der Weltgeschichte erfahren Hai. Das französische
Reckt ruht zunächst auf dem ältern römischen und auf dem mittel-
alterlichen germanischen Recht. Aber wie die Philologie die An-
fänge der europäischen Sprache in Asien aufsucht und findet, so
führt auch die Rechtsgeschichte Europa's auf Asien zurück. Die
Verwandtschaft des indischen Rechts mit den ältern Rechten der
romanischen und germanischen Völker ist offenbar und zum Bewußt-
seyn zu bringen. Nicht deßhalb, wohl aber der religiösen Ideen
wegen, die wir von Palästina her empfangen haben, ist auch das
jüdische Recht in den Kreis der nähern Beachtung zu ziehen.
Die Griechen, für die Staatswiffenschaft von höchster Bedeutung,
sind für das Privatrecht nur von geringer Erheblichkeit; indessen
auch da ist wohl noch Licht zu gewinnen für die gemeinsamen
Ideen, welche das Familienleben und den Verkehr unter den
Menschen leiten. Dann erst kommen die Römer, die eigentlichen
ersten Bildner des europäischen Privatrechts. Die Rechtsgeschichte
des römischen Privatrechts ist seit 40 Jahren sehr fleißig, beson-
ders in Deutschland, bearbeitet worden; auch für die Kenntniß
des römischen Staatsrechls ist durch und seit Niebuhr und
Rubino doch weit mehr geschehen, als Laboulaye anzunehmen scheint,
aber wir sind mir ihm einverstanden, daß gerade da noch sehr
vieles zu thun seyn wird. Weder sind die römischen Staatsideen
hinreichend beleuchtet und gewürdigt, noch insbesondere die römische
Verwaltung näher aufgeklärt. Auf die Vernachlässigung des cano-
nischen Rechts und seine Geschichte macht Laboulaye nachdrücklich
aufmerksam. Nicht einmal die Geschichte der Freiheiten der galli-
canischen Kirche sey gehörig bekannt. Der Jurist Pithou hatte
die alten Gewohnheiten gesammelt und daraus eine Anzahl Grund-
sätze über das Verhältniß von Staat und Kirche formulirt. Die
französischen Juristen sahen darin einen Damm gegen die Ueber-
spannung der kirchlichen Ansprüche, und vertheidigten jene Grund-
sätze mit Energie auch gegen die römische Curie. Diese Grundsätze
sind dann in die organischen Artikel übergegangen, welche der erste
Eonsul Napolson sanctionirt hat und die gegenwärtig noch das
Verhältniß von Staat und Kirche für Frankreich bestimmen.
Die französische Rechtsgeschichte ist durch die Arbeiten
der Franzosen Laferriöre, Pardessus, Lauriöre, Graf
Beugnot, Gudrard, Laboulaye, Faustin-Hslie und

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