Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

454 Die neuesten Leistungen auf dem Gebiet der Geschichte des röm. Civilpr.
Gegen alle diese sachlichen Gründe kommen die grammatischen
Bedenken gegen unsere Auslegung von Gai. IV, 95. nicht mehr in
Betracht, doch lassen zum Ueberfluß auch sie sich beseitigen.
Das Sacramentum ist eine Wette; sponsio bedeutet ganz
unzweifelhaft auch: Wette, somit konnte Gajus ganz wohl summa
sponsionis zz sacramentum gebrauchen ^), und das um so eher
als in der That, wie wir in dem ersten Artikel nachgewiesen
haben, zwischen Sakraments- und Sponstonenproceß große Aehn-
lichkeit besteht.
Auch der Ausdruck: summam sponsionis petimus macht
keine ernstliche Schwierigkeit, denn petere wird auch gebraucht
ZU agere, Processiren überhaupt; dann heißt jene Phrase wir
proeessiren um, über die summa sacramenti. Uebrigens darf
man sogar geradezu übersetzen: Wir fordern die summa sacramenti,
da der Streit formell sich darum dreht, wer sein sacramentum
zurücknehmen darf.
Den Vorwurf nachlässiger Ausdrucksweise wollen wir damit
von Gajus nicht abwehren, er trifft ihn schon darum, weil er
den Centumviralproceß in 8. 95 jedenfalls zu kurz und undeutlich
abgefertigt hat, womit die Nachlässigkeit im Ausdruck nur über-
einstimmt 2).
In 8. 9 wendet sich Stintzing zur Wiederlegung der Ansicht,
daß nach Aufhebung der Legisactionen es geraume Zeit gedauert
habe, ehe man in der koimula petitoria eine Proceßform erfand,
durch welche Untersuchung und Entscheidung geradezu auf das
dingliche Recht gerichtet wurde, ein Zwischenraum, der eben durch
die sponsio praejudicialis ausgefüllt worden ist.
Zur Begründung dieser Ansicht hat Keller als „sichere Zeug-
nisse" folgende Stellen angeführt:

*) Mommsen Röm. Gesch. k. S. W5 charakterisirt den Sacra-
mentsproceß geradezu mit folgenden Worten: „Die Feststellung des
Sachverhältnisses geschah in Form einer Wette {spmsio), wobei jede
Partei für den Fall des Unterliegens einen Einsatz macbte."
2) Mit besonderer Satisfaction constatire ich, daß sich jetzt auch
Keller N. 312 gegen die Stintzing - Dernburg'sche Erklärung von Gai.
IV. 95. und Gic. Verr. II, l, 45. entschieden erklärt hat, sie sev
ebenso unwahrscheinlich als die Meinung, man habe ex spon-
sione lege agirt, wenn die sponsio über eine Einrede angeordnet war.

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