Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

432 Die neuesten Leistungen aufdem GebietderGeschichte des röm. Civilpr.
Einleikmg oder weiteren Verhandlung einer Klage zwischen den
Parteien abgeschlossenen, nach Inhalt und Form von dem Prätor
vermittelten Geschäfte, besonders Stipulationen, deren Abschließung
eine Rechtspflicht und darum erzwingbar war, die s. g. praetoriae
stipulationes. —
Den zweiten Theil des zweiten Capitels in Keller's Werk
bildet die Darstellung des Formu larverfahre ns (§. 23—45).
Diese Darstellung zerfällt selbst wieder in zwei Abtheilungen:
„formulae und Uebergang von dem alten zu dem neuen Proceß-
systeme" (§. 23 — 27), und „Fortschritte" in der Bildung von
formulae (§. 28 — 45).
Davon soll der vorliegende Artikel umfassen die erste Abthei-
lung und von der zweiten noch den einen Theil von §. 28, nämlich
die Entstehung der formula petitoria. Keller beginnt mit der
Betrachtung der fornmlae und des Uebergangs vom alten zum
neuen Proceßsystem im Ganzen (8. 23).
Zunächst wird die lex Aebutia besprochen sammt den beiden
leges Juliae. Ueber Alter und Inhalt dieser Gesetze stellt der
Verfasser keine Hypothesen auf, sondern beschränkt sich auf Anfüh-
rung dessen, was wir wirklich, freilich nur im allgemeinen, darüber
wissen.
Ich erlaube mir darüber eine einzelne kurze Bemerkung: Als
wichtig für jene beiden Fragen scheint mir die Thatsache, daß
Sextus Aelius Catus. Consul 556 d. St., das erste System des
Rechts schrieb, dessen erster Theil die XII Tafeln, zweiter Theil
die interpretatio und dritter Theil die legis actiones enthielt
(daher tripertita).
Pomponius in I. 2. §. 28 D. de or. jur.
Diese Thatsache beweist entweder, daß die lex Aebutia noch
nicht eristirte, also nach der ersten Hälfte des 6. Jahrh. zu setzen
sey, oder daß die lex Aebutia äußerlich sehr wenig in das
bisherige Proceßsystem eingriff.
Nun deutet die Ausdrucksweise der einzigen Aeußerungen
unserer Quellen über die lex Aebutia (Gellius N. A. XVI. 10.
und Gai. IV. 30. 31.) wirklich darauf hin, daß dieses Gesetz keine
umfassenden Aenderungen enthielt; allein so unscheinbar können diese
doch nicht gewesen seyn, daß noch um die Mitte des 6. Jahrh.
die Darstellung des Römischen Processes auf die legis actiones

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