Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Die neuesten Leistungen auf dem Gebiet der Geschichte des röm.Civllpr. 429
Art, bei welchen es sich aber um Erlangung, Bewachung oder
Herstellung deS thatsachlichen Besitzes handelt.
Diese Verhältnisse scheint, so äußert sich Keller, gleichfalls
an Leist sich anschließend, von Alters her der Magistrat ohne
judicium. also extra ordinem entschieden, seine Entscheidung in
Gestalt eines Befehls oder Verbots (decretum s. interdictum)
eröffnet und nöthigenfalls durch die Mittel seines imperium zur
Vollziehung gebracht zu haben.
Hinsichtlich der Begründung dieser Ansicht bemerkt K. selbst
(§. 74), eS fehlen ihr die urkundlichen Belege, so wahrscheinlich
sie auch sey, doch finden sich Spuren davon: theils in der fort-
während mehr hervortretenden auctoritas und imperium praetoris
überhaupt, theils in den directen Zwangsmitteln desselben ins-
besondere, welche, der extraordinaria cognitio vorzugsweise zuge-
hörig, bei oder doch neben den Interdikten stets in einer gewissen
Nähe bleiben.
Der neueste Schriftsteller über das Jnterdictenverfahren
Schmidts hat in seinem trefflichen Werke obige Annahme „nicht
geradezu unwahrscheinlich" genannt, zugleich aber mit Entschieden-
heit sich dagegen erklärt, daß die nach untersuchter Sache von dem
Magistrat selbst gegebenen Entscheidungen als die ersten interdicta
bezeichnet werden, es seyen das lediglich extraordinariae cogni-
tiones. Denn nach allem, was wir von der Natur der inter-
dicta im eigentlichen Sinne wissen, gehöre es zu ihrem Wesen,
daß sie als bedingte Befehle vor geführter Untersuchung gegeben
werden
Ich glaube, dieser Einwurf ist nicht begründet. Allerdings
sind die Interdicte, die uns urkundlich zur Anschauung kommen,
bedingte Befehle vor geführter Untersuchung gegeben; daß sie aber
gerade deßhalb so heißen, das steht nirgends; — umgekehrt sie
heißen interdicta offenbar nicht weil sie bedingte Befehle
sind, sondern lediglich von der Form des Befehls, davon daß
dieser die Form eines Verbots hat, wie die decreta so heißen,
weil hier der Befehl die Form eines Gebots hat. Dafür haben
wir einen quellenmäßigen Beleg: GailV. 104. Hier wird definirt:
vocantur autem decreta cum keri aliquid jubet.... Interdicta

*) Das Jnterdictenverfahren der Römer. 1853. S. 318 Note 43.
Kritische Ue bersch au. Hl. 29

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