Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Jur neueren Strafgesetzgebung.

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der andere, daß man einen Theil des Verdienstes, den der Sträf-
ling aus seiner Mehrarbeit erzielt, zur Entschädigung des etwa
vorhandenen Damnificaten verwende.
Der Verfasser geht bei Motivirung dieser Vorschläge von der
Ansicht aus, daß das Besserungssystem mittels der Strafe nicht
bloß die moralische Umwandlung des Verbrechers zu erreichen
suchen müsse, sondern auch die Tilgung des aus dem Verbrechen
entsprungenen materiellen Schadens, insoferne ein solcher überhaupt
vorhanden sey. „Die Strafe solle auch zur bestmöglichen Heilung
der objectiven Seite des Verbrechens, des Schadens, benützt
werden. Würde dieß gelingen, so würde damit das Besserungs-
system, das bisher sich mehr durch seine Appellation an das
Gefühl (?) erhielt, auch beim Verstände der Massen accreditirt,
und es vermöge sich nur zu halten, wenn es sich mit den materiellen
und Verstandesinteressen des Volkes zu befreunden und zu verbinden
wisse. Die Repräsentanten der materiellen Volksinteressen in Sachen
seyen die Damnificaten; man müsse deßhalb gerade diese für ein
humanes Strafensystem zu gewinnen suchen." Folgt nun ein
förmlich dramatisches argumentum ad hominem mit dem Schluffe,
daß der Beschädigte, welcher die Wahl zwischen der körperlichen
Züchtigung des Diebes und der Entschädigung aus dem Arbeits-
verdienste desselben hätte, wohl immer sich für das letztere ent-
scheiden würde.
Allein von dieser Entschädigung könne nur dann die Rede
seyn, wenn der Sträfling mehr verdiene, als sein Unterhalt re.
dem Staate koste, — was bei den bisherigen Einrichtungen zwar
häufig vorkomme, aber doch nicht die Regel bilde. Um nun ein
solches Mehrverdienen zur Regel zu machen, müsse dafür gesorgt
werden, daß die Sträflinge mehr oder besser arbeiten oder eine
einträglichere Arbeit betreiben, als bisher, — und hiefür könne
am sichersten und zugleich aus die humanste Art dadurch gesorgt
werden, wenn man das Ende ihrer Strafzeit in genauem
Verhältnisse zu ihren besonderen Anstrengungen
näher rücke und dem Sträflinge, soweit die Hausordnung nicht
entgegenstehe, gestatte, von Anfang an die für ihn einträglichste
Arbeit zu verrichten.
Wenn also der Arbeitsverdienst eines Sträflings die von
der Strafanstalt auf den einzelnen Gefangenen verwendeten Durch-

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