Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

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Zur neueren Strafgesetzgebung.

Rücksichten — wohl auch der Grund, warum er die sogenannte
Festungsstrafe (für die gebildeteren Classen) über Bord geworfen.
Die Durchführung dieser Ansicht würde also darauf hinauslaufen,
daß eS, abgesehen von den Ehrenstrafen, gar keinen qualitativen,
sondern nur mehr einen quantitativen Unterschied in der Freiheits-
strafe gäbe. Hiegegen möchten aber folgende Bedenken vorzubringen
seyn. Fürs erste würde ich die Beseitung der Festungsstrafe für
einen wahren Verlust halten, indem ich die bereits von D o l l m an n
in dieser Zeitschrift ausgesprochene Ansicht theile, daß die Festungs-
strafe keineswegs eine Strafmilderung, sondern ein Mittel zur
Herstellung der Gleichheit in den Wirkungen der Freiheitsstrafe
sey. Die Erstehung der Freiheitsstrafe an dem gewöhnlichen
Straforte würde für den Gebildeten ein ungleich härteres Leiden
seyn, als für den Ungebildeten; die Verweisung des ersteren in
die gewöhnliche, allgemeine Strafanstalt wäre also eine offenbare
Ungerechtigkeit des Staates, dieser mag eine monarchische oder
republikanische Verfassung besitzen.
Ich glaube aber noch weiter gehen zu müssen, und behaupten
zu dürfen, daß noch andere locale Absonderungen unter
den verschiedenen Klaffen der Sträflinge wünsche ns werth
seyen. Gibt ja doch der Verfasser selbst zu, daß die ganz verdor-
benen Individuen nicht mit den übrigen, namentlich nicht mit
jugendlichen Verbrechern in Gemeinschaft gebracht werden sollen,
und daß es von Werth sey, die kurzzeitigen und langzeitigen
Sträflinge auseinander zu halten. Wenn auch der Schluß aus
der Größe der Strafe auf die Größe der moralischen Verdorbenheit
der Sträflinge ein irriger wäre, so würde daraus doch noch nicht
sofort die Verwerflichkeit der Absonderung der Sträflinge nach
Art und Größe der Strafe zu folgern seyn; eS müßte denn eine
durchaus verkehrte Strafgesetzgebung vorausgesetzt werden, welche
die qualitativen und quantitativen Verschiedenheiten des Verbre-
chens in dem Strafentarif gar nicht auszudrücken vermocht hätte.
Die heutige Strafgesetzgebung aber weiß doch diese Verschieden-
heiten und Modalitäten in den Strafsatzungen zur Geltung zu
bringen, — daher auch dem fraglichen Schluffe nicht alle und
jede Berechtigung ohne Weiteres abgesprochen werden darf.
Gesetzt aber auch — was selbst der Verfasser nicht behaupten
wird, — es seyen in der Regel alle Sträflinge in Bezug auf

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