Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

372 Der Diebstahl nach dem deutschen Rechte vor der Karolina.
wenn man auch nicht selbst bestohlen war *), ja sogar das Anhalten
von Dieben und gestohlenen Sachen aus für Dritte theilweise zur
Pflicht gemacht war * I. 2 * * S.). Gleichwohl ist die gedachte Befugniß
schon in den Volksrechten sehr wesentlich durch den andern Grundsatz
beschrankt, daß dem Bestohlenen bei schwerer Strafe verboten war,
einen außergerichtlichen Vergleich mit dem Diebe abzuichließenb).
Die vorerwähnte msnv8 injeetio ist daher in den betr. Volks-
rechten eben nur als Mittel, um die gerichtliche Klage wegen

*) Sachs. LR. II. 37, 1. Schwab. LR. c. 317. RB. n. Dist.
IV. 9, 5. Hamb. Stat. 1270. XII. 6. 1292. P. 6. 1497. O. 13.
Brem. Stat. 1303. Ord. 75. 1428. IV. 32. 1433. St. 90 (Oelrichs
S. 109. 393. 489). Stad. Star. XI. 6- Verden. Stat. 144 (Pnf.
I. 123. Rl g. 149 (eb. III. 270). Lü b. R. Hach. III. 398. vgl. I. 86.
II. 80. III. 33. vgl. Stellen bei Cropp S. 59. n. 31. 32. Mit Recht
macht Trümmer Vorträge II. 78. n. 2. hierauf aufmerksam, schüttet
aber, wie oft, das Kind mit dem Bade aus, indem er hier, wie
S. 180. 181. 207 u. s. f. Barbarei in das deutsche Recht hineinträgt,
wo für andere Augen solche nicht zu finden ist. Namentlich ist kaum
begreiflich, wie hier Lüb. R. (Hach) II. 80. ausgebeutet werden mag;
denn II. 81. zeigt ja deutlich genug, daß hier bei dem Abjagen keines-
wegs von einem Act reiner Selbsthülfe, sondern von einem Act der
Bürgerpflicht, wie er bei mangelnden Polizeianstalten gefordert werden
mußte (s. folgende Note), die Rede ist. Wie hätten sonst zwei so
unvereinbare Bestimmungen dicht neben einander gesetzt werden können?!
Daran findet freilich dieser Interpret kein Arg (S. 50 Anm. a. C.!).
Indessen weiß er diese Abnormität noch namhaft zu überbieten, indem
er auch noch weiter den Muth hat, in dem Anfangsprocesse nichts als
Selbsthülfe zu finden. Freilich ist aber diese ganze kindliche Jurück-
führung des gesammten germanischen Rechts auf nvthdürftig geregelte
Selbsthülfe und das schöne Recht der Gewere, das bald als Positive,
bald (je nachdem es dem Interpreten tauglich ist) als Negative des
Unrechts der Gewalt erscheint, dermaßen eigenthümlich, daß ein juri- -
stishes Auge es schwer findet sich darin zu vrientiren.
2) Xd nt. Gaurecht e 29. (Walter II. 264). Stat. v. Oebs-
feld 1444 (Gengler s. u. S. 332).
5) Childeb. 11. et Chlot. pact. c. 3. (P. I. 7.). Chlot. 11. decr. c. 5.
(eb. 12). Capit. Ticin. 801. c. 4 (eb. 84). Cap. Aquisgr. 813. I c. 13.
15 (eb. 183). L. Wisig. VII. 4, 1. L. ßaj. VIII. 15. L. Burg. LXXI.
I. Iüt. Low. II. 91. vgl. Wilda S. 208. n. 3. S. 209. n. 1 a. C.
S. 906. Schlesw. Stadtr. Art. 22. 30. Flensb. Art. 115. 123.
Apenrad. Art. 115. 123.

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