Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

368 Der Diebstahl nach dem deutschen Rechte vor der Karolina.
Beklagten nicht über das schiffreiche Wasser zu folgen brauchte* *),
und daß die fragliche Gestattung des Reinigungseides, wenn dem
Beklagten Bruch am Geweren geschah, nur dem unbescholtenen
Manne zu gut kam ?). Brauchte der Klager dem Zug an den
Geweren (über die See) nicht zu folgen 3), so blieb es wohl
gleichfalls höchstens bei Buße und Wette und Reinigungseid
hinsichtlich des Diebstahlsverdachts. Dasselbe muß auch da ange-
nommen werden, wo der Zug auf Geweren auf eine bestimmte
Zahl von diesen beschränkt war 4). Manche Rechte waren aber
noch milder, indem sie für den Fall, wo dem Beklagten Bruch
am Geweren wird, einen Reinigungseid zur Abwendung des
Diebstahlsverdachts gar nicht verlangen; dieß gilt namentlich von

1) s. z. B Sachs. LR. 11.36, 5. Magd. Gört. R. 1304. Art.47.
RB. n. Dist. IV. 9,4. Ueber Görl. LR. 46, 10. s. Homeyer
S. 218. — Auffallend ist die Beschränkung auf eine gewisse Zahl von
Geweren, z. B. in der Hdfeste v. Leobschütz 1270. §. 49., im
Ofner Stadtr. Art. 340. rc. Im Bamb. Stadtr. §. 112. hat das
Vorbringen der Geweren überall nur noch die Bedeutung, daß dadurch
dem Beklagten der Regreß gesichert werden soll, nicht mehr aber die
Befreiung vom Vorwurf des Diebstahls, wie Jöpfl meint. Wie
könnte sonst im tz. 114. dem Gaste die Berufung auf einen ductor
geradezu abgeschnitten seyn? vgl. Bair. LR. Art. 43. . reising.
Stadtr. b. Freyb. S. 171.
2) Mühlhäus. RB. b. Förstemann VII. 1. S. 86- 87. Saals.
Stat. Art. 4. (Walch I 14). Ruprecht II. 37. Braunschw. Stadtr.
13 Th. h. 24. (Gengler S. 38). Stadtr. v. Salzwedel Art. 87.
*) Dieses Nachfahren des Klägers kennen allerdings nur die dem
Sachs. Sp. verwandten Rechte. Nach dem Schwab. Sp. u. a. Rechten
mußte der Beklagte seinen auetor vor Gericht stellen; s. z. B. Au gsb.
Stat. a. a. O., Bamb. Stadtr. §. 112 Freiberg. Stat. Art. 9.
(Schott III. 188—191). Hamb. Stat. 1270. XII. 5.
*) Denn wenn hier der Letzte keinen Geweren mehr bezeichnen
durfte, so mußte man doch zum mindesten den Reinigungseid gegen die
prsesumtio kurti zulassen. Die Augsb. Stat. setzen den Beklagten
außer Verantwortung, wenn der Richter ihm muthwilliger Weise zur
Stellung des im Bezirk gesessenen Geweren nicht behülflich ist. Kann
er einen auswärts Gesessenen nicht beibringen, so soll er eben in
Gottes Namen „büßen nach Gnaden." Von einem Reinigungseid ist
hier gar nicht die Rede. Die L. Sal. em. XLIV. und die L. Rip.
XXXIII. l. 2. lassen den Beklagten, den sein förmlich geladener Gewere
im Stiche läßt, vom Verdacht des Diebstahls frei.

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