Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Der Diebstahl nach dem deutschen Rechte vor der Karolina. 365
vor; andere Rechte des MAs gestatten das Recht, Haussuchungen
vorzunehmen oder dazu Vollmacht zu geben, nicht dem Vogte,
sondern nur dem Rache 1). Sodann trifft aber auch die ganze
Unterscheidung nicht zu. Auch die nordischen Rechte, welche die
förmliche Haussuchung kennen, sehen keineswegs alle, wenn die
Sache gefunden wird, sofort den Diebstahl für einen offenbaren
an, mehrere vielmehr gestatten auch hier dem Besitzer noch eine
Vertheidigung. Andererseits sprechen die L. Burg, und Rip. mit
dürren Worten aus, in solchem Falle sey der Besitzer „als Dieb"
zu behandeln 2). Man wird sich vielmehr damit begnügen müssen,
daß verschiedene Rechte, abgesehen von den Formen der Haus-
suchung, überhaupt der Abläugnung des Besitzes (resp. der dieselbe
involvirenden Weigerung der Haussuchung 3)) ein verschiedenes
Gewicht beilegten, indem die einen sofort bei Auffindung der Sache
volle Evidenz annahmen4), andere dagegen noch einen Reinigungseid
(in erschwerter Form) zuließen 5). Ganz dasselbe ist von den
deutschen Rechten des MAs zu sagen. Selbst in Einer und derselben
Rechtsquelle findet sich hier zuweilen ein auffallendes Schwanken,
so im Apenrader Stadtr. Art. 119. 6)« Die Mehrzahl der mittel-
alterlichen Rechte ist wohl dafür, daß der Besitzer nach vorher-
gegangener Abläugnung durch die Auffindung der Sache sofort
als überführt geltes. Eine Ausnahme fand nur dann statt,

*) S. z. B. Gosl. Etat. 50, 18—28. S. 83, 1—3. Bruns
Beitr. S. 194 nr. 32. Regensburg. Stat. b. Freyb. V. 79. Bamb.
Stadtr. tz. 74.
2) Man sieht nicht wohl, wie Grimm S. 639 n. **) sagen kann,
es habe sich bloß um Ehrlosigkeit gehandelt.
3) oder, wie in den oberschwedischen Rechten der Hinterlegung eines
Pfandes, womit der Hauseigner auf seine Schuldlosigkeit wettete.
*9 5 z. B. Jüt. Low. II. 97. 100. L. Rip. XLVII. 2. L. Burg.
XVI. 1. 2. resp. L. Baj. de pop. leg. 12 (nicht die Diebstahlsstrafe).
5) Wilda S- 904.
6) Die lateinische Version sagt absolut, der Besitzer gelte als des
Diebstahls überführt, wogegen die einheimische noch einen (erschwerten)
Reinigungseid zulaßt (C. Stat. Slesv. II. 405. n. **). Mit der ersteren
Version stimmen die Stadtrechte von Schleswig u. Eckernförde, mit
der letzteren das von Flensburg (Schlesw. Art 27. 29. Flensb., Apenrad.
Art. 119 121.).
') Sachs. LR. II. 29. 35. 36, '2. 37, 1. Schwäb. LR. e. 316.
317. 372. RB. n. Dist. IV. 9, 3. 16. 42, 13- Gosl. Stat. G. 39,
Kritiscke Ueber j cha u. III. 25

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