Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Der Diebstahl nach dem deutschen Rechte vor der Karolina. 355
LR. Art. 243, das noch überdieß die Wette von 72 Pf. bei-
fügt *). Dieses Gewette schreibt das Münchn. Stadtr. Art.
184 ferner für den Fall vor, wenn jemand Gut oder Geld, das
er abliefern soll, unbefugt (aber ohne Verheimlichung) au sich
behält 2). Die Gosl. Statuten erwähnen für alle, denen frem-
des Gut übergeben ist (Depositar, Commodatar re.) eine andere
nachtheilige Folge des unbefugten Gebrauchs. Wenn ihnen näm-
lich die Sache gestohlen oder geraubt wird, so sollen sie, falls sie
eines solchen Gebrauchs sich schuldig gemacht haben, den Reini-
gungseid, d. h. daß sie an Rath und Thal bei dem Diebstahl
unschuldig seyen, nicht leisten dürfen * 2 3)
Was endlich das furtum possessionis4) (f. suae rei) betrifft?
so will auch Dollmann dieses vom Begriff des deutschen Dieb-
stahls ausgeschlossen wissen 5), und mit Recht 6 *), da es an dem
Erfordernisse der res aliena fehlt. Allein eine andere Frage ist
wieder, ob nicht der Fall dem Diebstahl analog oder wenigstens
als besonderes Delict bestraft worden sey? Und diese Frage ist
wiederum, im Widerspruch mit der Meinung fast aller Crimi-
nalisten, zu bejahen.
Wenn nämlich auch auf eine sichtlich aus dem römischen
Rechte stammende Stelle des westgothischen Gesetzbuchs?)
kein Gewicht zu legen ist, so ist doch der Fall auch im burgun-
dischen und longobardischen Rechte aufgeführt 8). Im
erfteren wird neunfällige Buße und eine Wette von 12 Sol. als
Strafe angesetzt, also dieselbe Wette, wie bei furta minora, und

*) vergl. Art. 296.
2) vgl. Art. 284.
3) Gosl. ©tat. S. 82, 26 — 34. Göschen S- 339. 340.
a) Nicht in dem Sinne von Mare zoll Arch. f. civ. Prar. VIII.
284 f.; v- Puch Holz jnrist. Abh. S. 323 f.; Ab egg Lehrb. d. Straft.
§. 342 (?), sondern in d.m der richtigen communis opinio genom-
men; s. Wächter Rler. Hl. 361 — 364.
5) Entwendung S. 75. 76.
6) AM. Albrecht Gewere S. 83 n. 172. Budde p. 58 Gaupp
Atschr. f. DR- I. 133.
') L. Wisig. VI. 6, 2.
b) L. Burg. XIX. 11. Ed. Roth c. 383.

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