Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Der Diebstahl nach dem deutschen Rechte vor der Karolina. 343
Ganz richtig ist allerdings andrerseits, daß in andern Stellen
des mittelalterlichen Rechts der Betrug mit falschem Maß und
Gewicht, resp. die Verfälschung seitens eines Goldschmieds oder
dgl. nicht als Diebstahl bezeichnet wird *); und es können die
von Cropp angef. Stellen noch mit einer großen Anzahl ähn-
licher vermehrt werden. Gleichwohl beweist dieß keineswegs, daß
jene andern Stellen, die so unzweifelhaft von Diebstahl sprechen,
anders als nach ihrem klaren Wortlaut zu verstehen seyen.
Das Hauptbedenken C r o p p s ist, daß unter dieser Voraus-
setzung der ganze Begriff des Diebstahls einen andern Inhalt er-
halten müßte. Dieses Bedenken ist indessen doch wohl allzu scru-
pulos. Das juristisch so fein gebildete römische Recht zählt zum
turtum verschiedene Fälle, die man weit eher unter der Rubrik
des Stellionats erwarten sollte und auch heutzutage durchaus unter
den Begriff des Betrugs stellt '*). Trotz dieser ganz offenbaren
Anomalie fällt es doch Niemanden ein, zu meinen, daß deshalb
der Begriff des turtum geändert und auch zur Aufnahme deS
Begriffs des Betrugs geschickt gemacht werden müsse. Um so
weniger wird man einen solchen Scrupel bei dem deutschen Rechte
des MAs. hegen dürfen. Man hilft sich beim römischen Rechte
mit der Annahme (die jedoch auch nur theilweise zutrifft), daß
die Römer hier hauptsächlich die dolose Aneignung von Sachen
im Auge gehabt hätten, an welche man in Wahrheil kein Recht

*) Sachs. LR II. 13, 3. (Strafe an Haut und Haar, mit 3 Schill,
zu lösen für Unrechtes Maß und Unrechte Wage). Vgl. Schwab. LR.
c. 370 (für Fälschung eines Gelöthes Todesstrafe, für Ueberwiegen
mit rechtem Gelöthe Strafe an Haut und Haar). Die Soest. Skrae
Art. 105. (Seibertz II. 398), welche Cropp anführt, spricht nicht vom
Gebrauch des falschen Maßes, sondern nur vom Haben desselben,
wofür sie, eben wie andere Rechte, nur Geldstrafe festsetzt. Dasselbe
gilt von der Gosl. Stat. S. 37, 20. 21, welche die Strafe in das
Ermessen des Rathes stellen. Daß aber bei wirklichem Gebrauche die
Strafe höher gewesen sey, geht wohl aus der Analogie des Falles in
der Rechtserk, bei Bruns S. 190 vr. 25 hervor, der von solchen zu
verstehen ist, die wegen Verdachts des Spiels mit falschen Würfeln
angehalten wurden (Göschen S. 307).
2) Wächter Rler. III. 360. 361. unter d. e. j. S. 393 eben.
Die Sache ist freilich hinsichtlich der dolosen Annahme einer Nichtschuld
nicht ganz außer Streit.

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