Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

332 Die Gegenwart«. Ankunft der Theorie des gem. d. bürgerl. Protestes.
Jahrhunderte gehabt haben, sondern auch mit dem Grunde, daß
in Folge der Dunkelheit, in welche die Entwickelungen des Rechts
in diesem Jahrhundert verhüllt bleiben, leicht die Resultate anti-
quarischer Untersuchungen als unmittelbare Anknüpfungspunkte für
das geltende Recht ergriffen werden können.
Wird auf diese Weise der Vergangenheit ihre Bedeutung ge-
sichert, so sind auch die Rechte der Gegenwart und in gewissem
Maße selbst jene der Zukunft gewahrt.
Es werden nämlich fast alle Fragen berührt, welche in Be-
zug auf die Reformen der Eivilrechtspflege sich darbieten, z. B.
die des Rechtes der drei Instanzen (S. 19), die der Trennung
der Rechtspflege von der Verwaltung (S- 27), jene der Unter-
suchungs - und Verhandlungsmarime (S. 33), die der Schrift-
lichkeit oder Mündlichkeit des Verfahrens (S. 39), jene der
Oeffentlichkeit (S. 42).
Wenn nun auch die Vorliebe des Verfassers unverkennbar
für das bisherige Verfahren sich ausspricht, so hat er doch mit
der Unparteilichkeit, welche ächter Wissenschaftlichkeit ziemt und
eigen ist, auch die Gründe, welche für die Reformen sprechen,
anzugeben nicht unterlassen.
Nur in Bezug auf den Cardinalpunkt — die Trennung der
Justiz von der Verwaltung — wäre wohl der Hauptgrund der
Wissenschaft, wie ihn z. B. insbesondere Planck') geltend ge-
macht hat, mehr hervorzuheben gewesen, nämlich der, daß die
Rechtspflege ein eigener und gesonderter Lebensberuf ist und seyn
muß, und daß nur bei einer dieses berücksichtigenden Gerichts-
verfassung eine feinere Organisation des Proceßganges gesetzlich
angeordnet werden kann.
Bei Berührung der Competenzconflicte (S. 49) hätten wir
eine Vertheidigung des alten und deutschen Processes gewünscht,
wornach jeder Richter selbst über seine Competenz zu sprecheil hat,
während das Institut der Competenzconflicte dem Ausland und
der Neuzeit angehört, und wohl mehr im Interesse der Gewalt
als in dem des Rechtes in Deutschland eingebürgert worden ist.
Die Controversen des geltenden Proceßrechtes sind meistens
ausführlich und stets sehr gründlich abgehandelt, wir heben

') Die Lehre von dem Beweisurtheil S. 336.

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