Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

14.6. Die Verfassung der Centenen und des fränkischen Königthumes von Dr. Gemeiner. München 1855

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Kurze Anzeigen.

Mteratur erhalten dadurch ihre Berichtigung, manche Zweifel ihre
Erledigung. Wir glauben umsomehr aus dieselbe aufmerksam
machen zu sollen, als gerade Programme am leichtesten dem Blicke
des Bücherfreundes sich zu entziehen pflegen, was im gegebenen
Falle in keiner Weise zu wünschen wäre.

6) Die Verfassung der Centenen und des fränkischen König-
thumes. Studien zur deutschen Rechtsgeschichte von vr. A. Ge-
meiner, Privatdocent der Rechte an der Hochschule München.
München, Chr. Kaiser, 1855; 239 S. 8.
In 4 gesonderten Abschnitten werden die Ortsgenossenschaft,
S. 10 — 51, die Centene, S. 52 — 100, die Verbände über
den Centenen, S. 101 — 30, endlich die innere Entwicklung des
fränkischen Königthums behandelt, und dabei Ln letzterer Beziehung
die Banngewalt als Heergewalt, S. 131 — 85, der Bann als
Schutzgewalt, S. 186 — 200, und die Banngewalt als Gerichts-
gewalt, S. 201 — 33 besprochen.
Die Ortsgenoflenschaft bringt der Verfasser in Verbindung
mit der Verwandtschaft in ihren entfernteren Graden, und faßt
dieselbe wesentlich als Streitgenossenschaft auf; einerseits sollen
demnach die Ortsgenoffenschaften die Abtheilungen des Heeres
bilden, andererseits in der Fehde und von hier aus in der Eides-
hülfe zusammenstehen: der Schutz des Einzelnen sey von ihnen
ausgegangen, und durch ein Erbrecht der Genossenschaft gegenüber
dem Einzelnen vergolten worden. Die Gemeinsamkeit des Grund-
besitzes, auf welche man sonst die Ortsgemeinden zu stützen pflegt,
tritt dem Verfasser völlig in den Hintergrund; er identificirt seine
Ortsgenossen mit den gamalli, confabulati, mit bett conjurationes,
und findet demnach in den Verboten der conjurationes, conspi-
rationes u. dgl. wie solche in den Capitularien des 8. und 9.
Jahrhunderts mehrfach wiederkehren, unbedenklich eine lesgislative
Aufhebung der Ortsgemeinden ausgesprochen. — Nicht minder
wird der Centene eine wesentliche militärische Bedeutung beigelegt.
In der Wehrhaftmachung, von welcher Tacitus berichtet, sieht der
Verfasser eine Staatsprüfung des Einzelnen hinsichtlich seiner
Waffenfähigkeit, in welcher derselbe ebensogut durchfallen als be-
stehen konnte; aus den durchgefallenen Candidaten entsteht ihm

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