Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Ueber die neuen Begründungen d. Gesellschaftu. des Gesellschaftsrechts. 265
Diese Erscheinung ist so allgemein, daß von ihr aus sicher
nicht eine neue Eintheilung der Rechtsordnungen begründet werden
kann. Sie hindert auch den Einzelstaat durchaus nicht, innerhalb
seines Gebietes seine eigene Ordnung all diesen darüber hin
rankenden Verbindungen gegenüber aufrecht zu halten, und diese,
soweit jenes reicht, zur Unterordnung zu nöthigen.
Wohl aber weist diese Erscheinung auf den innern Zusam-
menhang der Menschheit und auf die Unvollkommenheit der ge-
trennten im letzten Grund doch nur fragmentarischen Einzel-
staaten hin, und ist ein neues wichtiges Zeugniß für die ideelle
Wahrheit, daß erst in der politischen und der religiösen Organi-
sation der Menschheit, d. h. in dem Weltstaate und der
Weltkirche die vollkommene Ausbildung der menschlichen Ge-
sammtordnung zu erkennen ist, von welcher aus dann noch allein
jene über die Gränzen der einzelnen Staatsgebiete hinausschreiten-
den Rechtsverhältnisse in ihrer internationalen Bedeutung vollstän-
dig zu begreifen und schließlich zu ordnen sind.
So löst sich auch dieses letzte Bedenken in eine Bestätigung
unserer Grundansicht auf.

12. Resultat
Fassen wir zum Schluß noch das Resultat unserer Prüfung
in kurze Sätze zusammen:
1. Der Gegensatz des öffentlichen und des Privatrechts ist
nothwendig und erschöpfend. Es gibt keine dritte Ordnung, welche
diesen beiden gleich stände, kein für sich bestehendes Gesellschaftsrecht.
2. Innerhalb des öffentlichen Rechtes, welches die Gesammt-
eristenz ist, sind die beiden Gesammtorganisationen Staat und Kirche
zu unterscheiden, Ln der vollkommenen Gestaltung des Weltstaates
und der Weltkirche, in der real-historischen und relativen der Einzel-
staaten und der Einzelkirchen.
3. Alle übrigen Institutionen des gemeinsamen und öffent-
lichen Lebens, wie die Gemeinden oder fragmentarische, politische und
kirchliche Verbindungen haben nur eine relative Selbständigkeit,
sind aber immer dem Staat, die letztem überdem der Kirche recht-
lich untergeordnet.
4. Innerhalb des Privatrechts als der individuellen Eristenz
erheben sich über die Einseitigkeit des Einzellebens für sich, welche

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