Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

264 Ueber die neuen Begründungen d. Gesellschaft», d. Gesellschaftsrechts.
war eine Klaffe von Personen gewonnen, in denen die Gesammtheit
zur absoluten privatrechtlichen Einheit concentrirt ist, und denen als
Individuen ein persönliches Vermögen zukommt.
Alle jene gesellschaftlichen Verbindungen nun, mögen sie diese
oder jene Zwecke anstreben, erscheinen immer entweder in der
Gestalt jener Genossenschaften oder dieser Einungen, und damit ist
auch ihr privatrechtlicher Charakter entschieden.
Also auch hier weder ein Bedürfniß, noch auch nur die Mög-
lichkeit eines neuen Rechtsgebiets.
11. Die Granzen des Staatsgebiets.
Wir haben bis zum Schluß dieser Untersuchung ein Bedenken
verspan, welchem Mohl ein großes Gewicht zuzuschreiben scheint,
deßhalb verspürt, weil seine Bedeutung erst jetzt recht übersehen
werden kann, die Ausbreitung nämlich vieler genossenschaftlichen
Verbindungen über die Gräuzen eines einzelnen Staatsgebiets
hinaus. Wir finden diese Erscheinungen bei allen Gattungen der
Genossenschaften, sowohl bei den politischen und kirchlichen des öffent-
lichen Rechts als bei den Privatverbindungen. Die politischen
Parteien z. B. fühlen sich über alle civilisirten Länder hin, die
Rassen sogar über die ganze Erde verbunden. Die Stände sind
nicht völlig eingeschlossen in die Einzelstaaten, sie reichen sich die
Hand auch über die Gränzen hinüber. Die kirchlichen Orden
haben ihre Verzweigungen in allen christlichen Ländern, und durch
die Missionen auch unter den Heiden. Aber auch privatrechtliche
Verbindungen sind nicht eingeschlossen in das Gebiet eines einzel-
nen Staates. Die Versicherungscompagnien z. B. dehnen ihren
Geschäftskreis weiter aus, die Actiengesellschaften aller Art haben
Aktionäre und Anstalten in verschiedenen Ländern, der Freimaurer-
orden hat Logen in allen Welttheilen.
Aber ist es denn anders mit allen menschlichen Beziehungen?
Spannt nicht auch der Handelsverkehr seine Fäden aus über die
Erde hin? Sind nicht auch im gewöhnlichen Geldverkehr tausend-
fältig Gläubiger und Schuldner aus verschiedenen Ländern mit ein-
ander verbunden? Halten sich die Verwandtschaften in die Grän-
zen eines Landes? Und stehen nicht die Staaten selbst unter sich
in mannichfaltigen, von uns völkerrechtlich getrennten Rechtsver-
bindungen?

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