Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

252 Ueber d. neuen Begründungen d. Gesellschaft u. d. Gesellschaftsrechts.
der wichtigsten Institutionen des öffentlichen Rechts — man denke
nur an die Dynastien — geworden und noch sind.
Auf die Familiengenossenschaft passen auch alle jene Merk-
male, welche v. Mohl von den Gesellschaften überhaupt ausgesagt
hat. Sie hat eine dauernde Ursache in der menschlichen Natur,
ist von höchster Bedeutung, allgemein verbreitet, läßt ihre Glieder
auch mit andern Familien und Genossenschaften sich verbinden,
kümmert sich wenig um politische Abgranzungen, verbindet die
ihrigen, wo immer sie leben mögen, soweit das gemeinsame Ver-
wandtschaftsgefühl reicht, und ist unter den einen Völkern zu einer
förmlichen Organisation gelangt, unter den andern nicht. Wenn
trotz alle dem v. Mohl die Familie „nur als eine verstärkte Per-
sönlichkeit" auffaßt und dem Privatrecht, nicht dem neuen Gesell-
schaftsrecht einverleibt, so gesteht er damit zu, daß alle jene Merk-
male in Verbindung doch nicht stark genug sind, um jenes Institut
aus seinem Zusammenhang mit dem Jndividualleben wegzureißen,
aber erschüttert zugleich das ganze Fundament, auf welches er die
Nothwendigkeit des neuen Rechtsgebiets gegründet hat. In Wahrheit,
eher könnten wir uns zu der Meinung verstehen, das bloß indivi-
duelle Privatrecht der Einzelnen von dem Familien- und
Genossenschaftsrejchff als einer höhernForm derRechtsge-
me inschaft zu trennen und diese beiden jenem entgegenzusetzen, als
ein eigenthümliches Gesellschaftsrecht anerkennen, in welchem die
Familiengenossenschaft keinen Platz hätte.
Wir können aber weder jener noch dieser Ansicht beipflichten.
Die Familie und ihr R e ch t erhebt sich zwar über die Getrennt-
heit, Einseitigkeit und Ausschließlichkeit des Einzellebens, und
indem sie die Individuen als Familienglieder enge und innig ver-
bindet und zur Gemeinschaft und Genossenschaft wird, ragt sie über
die untern Stufen des Privalrechts empor und nähert sich augen-
scheinlich den höhern Bildungen des öffentlichen Rechts. Aber die
Wurzel ihres Daseyns und ihr Grundcharakter ist dennoch indi-
viduell-persönlich.
Auch das konnte auffallen, daß der natürliche Gegensatz der
beiden Geschlechter, in welche die Menschheit getheilt ist, zwar sich
im öffentlichen Rechte in den Organismen des Staates und der
Kirche wieder zeigt, aber im Privatrecht des Einzelnen nicht her-
vortritt. Obwohl wir in allen einzelnen Individuen sofort entweder

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