Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Weber die neuen Begründungen d. Gesellschaft u. d.Gesellfchaftsrechts. 243
Iheil die Vollendung der menschlichen Verhältnisse, und indem
er Gesellschaft und Staat ebenfalls unterscheidet, erkennt er im
Staat nur Eine Seite des gesellschaftlichen Gesammtorganismus
an, und ordnet folglich jenen diesem unter. Zwar begeht er den
Jrrthum vieler nicht, welche den Staat — auch seiner Idee nach —
in die engeren Gränzen einer Nation einschließen, und dann der Mensch-
heit ebenso unterordnen, wie die Völker unzweifelhaft dieser untergeord,
net sind. Er erkennt vielmehr die menschliche Natur des Staates
auch in der Folgerung an, daß der Staat in seiner Vollendung die
Menschheit umfasse. Die Gesellschaft und der Staat sind also
beide nach Ahrens organische Verbindungen der Mensch-
heit, aber die Gesellschaft ist ihm „die einheitliche Totalität aller
für die Hauptzwecke des menschlichen Lebens thätigen Lebenssphä-
ren, der Gesammtorganismus aller organisch geordneten Lebens-
kreise. Er umfaßt daher alle andern, also auch den Staat als
den Organismus des Rechtslebens, die Kirche als den Organis-
mus des religiösen Lebens und ebenso das noch wenig in organi-
schen Anstalten ausgebildete sittliche Leben, den gleichfalls noch
schwachen Organismus der Wissenschaft und Kunst, den umfassen-
der ausgebildeten Organismus des Unterrichts und der Erziehung
und die sich immer ausgedehnter und kräftiger entwickelnde Orga-
nisation der Industrie und des Handels. Der Staat als Rechts-
organismus der gesummten menschlichen Gesellschaft verhält sich
daher zur menschlichen Gesellschaft wie das Recht zum Mensch-
heitszweck. Er ist wahrhaft nur da, wo er rechtlich zu wir-
ken hat. Alles menschliche ist daher zum Theil in, zum Theil
außer dem Staate; in dem Staate, in so weit er rechtlich zu
ordnen ist; außerhalb desselben, insofern er eine rein religiöse,
sittliche, wissenschaftliche, gewerbliche Seite oder Angelegenheit ist."
(Jurist. Encyclop. S. 107 ff.)
Der Staat ist also der Gesellschaft nach Ahrens untergeord-
net, aber nur wie eine Seite — hier die rechtliche Seite — der
Totalität, die alle Seiten umfaßt, untergeordnet ist. Die Gesell-
schaft ist ihm die gesummte Menschheit in allen ihren Beziehungen,
der Staat ist ihm die Rechtsanstalt der Menschheit. Alles Recht
erscheint ihm daher im weitern Sinn als Gesellschafts recht.
Dieses theilt sich nur wieder, je nach den besonderen Zwecken, die in
dem Einen Gesellschaftszweck beisammen sind, in folgende Zweige ab:

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