Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

238 Ueber die neuen Begründungen d. Gesellschaft u. d. Gesellschastsrechts.
geordnet, als gäbe es keine Individuen für sich, sondern nur Glieder
einer Gemeinschaft, also von dem Standpunkte unser- öffentlichen
Rechtes aus. Und die Existenz und die Verhältnisse des Ganzen,
des Staates voraus (das Object des öffentlichen Rechtes), werden
geordnet, als gäbe es kein Ganzes, sondern nur eine brüderliche
Verbindung von Einzelnen, welche mit einander des Lebens sich
erfreuen, also von dem Standpunkt des bisherigen Privatrechtes aus.
Es ist das allerdings eine neue Gesellschaft und ein neues
Gesellschaftsrecht, und weder ein Staat noch eine privatrechtliche
Ordnung, aber auch kein Drittes neben diesen beiden, sondern
Eines statt beider. Der Gedanke kehrt in jenen Vorstellungen
wieder in den kindischen Urzustand der Menschheit zurück, in wel»
chem noch alles ungesondert und unverstanden, gleichsam in Einer
Eischale beisammen ruhte, was die Entwicklung der Geschichte
später unterschieden und ausgebildet hat.
Indem Cabet, im Widerspruch mit noch radikaleren Com-
munisten, doch die Ehe und die Besonderheit der Familie und der
Kindererziehung beibehalten will, im Gegensätze zur Geschlechts-
gemeinschast und zu der öffentlichen Erziehung, rettet er zwar das
innerste Heiligthum der individuellen Persönlichkeit, aber er nimmt
damit zugleich in sein eigenes System einen Keim der Besonder-
heit auf, dessen nothwendiges Wachsthum jene Schale durchbrechen
und die Unhaltbarkeit des ganzen Systems offenbaren würde.
Denn besteht die Ehe für sich, so eignet sie sich auch ein Ver-
mögen für sich zu; und besteht die Familie für sich, so leben die
Eltern in den Kindern fort, und stellt sich in Folge dieses Zusammen-
hanges auch das Erbrecht ein.
4. C. Deutsche Ansichten. Hegel.
Wenn man Hegels Rechtsphilosophie liest, so wird man
schwerlich in der Annahme bestärkt, daß „deutsch" und „deutlich"
synonyme Ausdrücke seyen. Man wird genöthigt, sich durch ein
dicht verschlungenes dreifaches Zaun- und Flechtwerk wunderlicher
Formeln Bahn zu brechen, und wenn man endlich mühsam in
das Innere eingedrungen ist, so überzeugt man sich daß dasselbe
nur leerer Raum ist, und daß der gesuchte Schatz bei Hegel nicht
zu finden ist und nie von ihm besessen war.
Einzelne hübsche Geisteöblüthen, die man bei dieser Arbeit

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