Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Der Diebstahl nach dem deutschen Rechte vor der Karolina. 203
während eines Brandes im Prager Rechtsbuch *). Er
wird zwar auch im Brünn er Stadtrecht ausdrücklich hervorgeho-
ben, ohne daß er jedoch in der Strafe ausgezeichnet erschiene * 2).
§. 3. Das diebliche Behalten.
Das deutsche Recht begnügte sich von jeher nicht damit, die
widerrechtliche eigennützige Wegnahme fremder Sachen aus frem-
dem Besitze zum Verbrechen zu stempeln, sondern sah es auch für
ein Verbrechen an, wenn jemand fremde Sachen, die er auf recht-
mäßige Weise oder, wenn auch nicht, doch wenigstens nicht mit-
telst wissentlich widerrechtlicher Entwendung aus fremdem Besitz
erhalten hatte, sich zueignete und dem Berechtigten vorenthielt
(unterschlug) 3).
Mit gutem Fug unterscheidet hiebei Cropp, der Görlitzer
Glosse zum Sachs.-Sp. H. 37 (35) sich anschließend, zwei Gat-
tungen von Fällen, die auch noch in Beziehung auf andere weiter-
hin zu erörternde Fragen auseinander gehalten werden müssen,
hinsichtlich der vorliegenden aber jedenfalls das gemein haben, daß
das charakteristische Moment, das Diebliche^) in der Aneignung
einer fremden Sache, die man bereits in Besitz hat, mittelst Ver-
heimlichung und Verläugnung derselben vor dem Eigenthümer oder
einem sonst Berechtigten liegt.
A) Es handelt sich um eine Sache, welche dem Besitzer (der
sie unterschlägt, dieblich behält) nicht von dem Eigenthümer oder

*) Art. 180/ »al. Etat, buch nr. 2. In der ersten Stelle ist bei
einem Werth von 10 gro8. Hängen, in der zweiten schlechthin äeeapi-
tatio festgesetzt. Es ist daher sehr ungenau, wenn Rößler in der Ein-
leitung wiederholt angibt, es habe auf solchem Diebstahl der Feuer-
tod gestanden.
2) Brunner Stadtr. Art. 58 j. 19 (Rößler S. 359. 349), f- auch
Iglau. Stadtr. 1248 bei vodner IV. 216.
3) Cropp S. 43 — 79. Wilda S. 917 — 920. Schmid p.
18 — 25. Dollmann S. 72 — 74. Walther Funddiebstahl S.
41 f. 53 f. Sehr oberflächlich Roß Hirt Gesch. u. System. U. 295.
*) Auf die Auffassung des Capit, spur. VI. 30 (Pertz II. 2. p. 76),
welches Schmid p. 19 erwähnt, ist natürlich kein Gewicht zu legen.

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