Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

154 Der Diebstahl nach dem deutschen Rechte vor der Karolina.
Momente sind dem deutschen Diebstahl nicht eigenthümlich, wohl
aber das dritte *). Dagegen ist es unbegründet und führt zu
Unrichtigen Folgerungen, wenn man dem Begriff des Besitzes hier
den der Were oder Gewere mit der Vorstellung, daß damit etwas
anderes gemeint sey, unterschiebt. Den Anlaß hat hiezu Cropp
gegeben, ohne die Schuld der Verwirrung zu tragen die daraus
entstanden ist. Um früheren mangelhaften Ansichten zu steuern,
schaltete er seiner Abhandlung einen Ercurs über die Bedeutung
des seitdem so berufen und jetzt verrufen gewordenen Ausdrucks
Gewere ein 1 2). Er faßte von den verschiedenen Bedeutungen, in
welchen derselbe in den mittelalterlichen Rechtsquellen vorkommt3),
Eine auf, wornach Were so viel heißt, als: olau8ura, eurti8. in-
tra septes, h. Haus und Hof4 *) als einen unter besonderm Frie-
den stehenden Raum, was er mit der ursprünglichen Ansiedekungs-
weise der Germanen in Verbindung setzte. Allein obwohl er aus
der Lex Sax. und der Lex Sal. die unrichtige .Folgerung zieht,
daß ein Diebstahl intra septa an sich „etwas viel schlimmeres"
gewesen sey, als ein Diebstahl extra septa, so ist er doch weit
entfernt, den Begriff des Diebstahls auf intra 8epta befindliche
Sachen zu beschränken^), und läßt für die Zeit des MAs. sogar
jene (unrichtige) Unterscheidung gänzlich fallen 6). Auch Wilda
substituirt mit Recht dem (engern) Begriff der Were einen weite-
ren und macht (was gegenüber von Cropp gar nicht einmal
nöthig gewesen wäre) ausdrücklich geltend, daß auch an fremdem,

1) AM. hinsichtlich des röm. Rechts Martin LB. d. Strafe.
§. 141 n. 5. §. 161. s. dag. Unter hvlzner Verjährung I. 214 f.
2) Crim. Beitr. II. 13 ff.
3) s darüber Gerber a. a. O. S. 6 f.
Vgl. z. B. Sachs. LR. I. 20, 7. 22, 4. II. 35. 40, 1. 62, 3.
III. 90, 3. 91, 1
3) Gleichwohl ist sich auch Wächter Rler. III. 390. ». 200. 201.
hierüber nicht ganz klar geworden, und noch weniger Heffter, der
sogar für das heutige Recht schiefe Folgerungen zieht, tz. 492. n. 4.
§. 493. v. 1. Wilda S. 865 thut Cropp Unrecht und mißversteht
ihn S. 866. n. 1. geradezu.
6) Dieß wird ihm (und Dollmann S. 71, Hermann C. ad
art. 159 CCC. p. 10) freilich sehr verübelt von Geib N. Arch. d.
Crim.-R. 1847 S. 352 f. 521 f., aber ganz ohne Grund. Der Irrthum
von Cropp ist, daß er meint, nach den Volksrechten sey der Diebstahl

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