Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

von Ernst Immanuel Bekker

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schlichte Gajus gefreut haben, hätte er ahnen können, daß seine
geheimsten Gedanken dermaleinst in Vers, einen solchen Interpreten
fänden!
Zum Schluffe der bisherigen Betrachtungen über die leitenden
Ideen der Schrift des Vers, mag bezüglich der Harmonie seiner
Ansichten noch folgendes hervorgehoben werden. Verfasser nimmt
bekanntlich (S. 12) die Gültigkeit der Klagenconsumption auch
noch für das Justinianische Recht an. Das Hauptorgan für deren
Realisirung ist ihm die exceptio rei jud. in ihrer negativen Rich-
tung, außer welcher er keine andere anerkennt. Daß nun die
Vernichtung einer Klage deßhalb, weil überhaupt eine res judicata,
gleichviel in welchem Sinne (S. 137) vorliege, ein streng
förmliches Recht sey, wird Verf. wohl selbst einräumen. Trotzdem
sagt derselbe bei Betrachtung der Adpromissionen S. 194 von der
Zeit nach Ulpian, es sey natürlich, daß gegenüber der freieren
fidejussio „die alten Institute der sponsio und fidepromissio
gänzlich erloschen in einer Zeit, die ein streng förmliches
Recht nicht mehr zu handhaben wußte." (vgl.dazuS. 165.)
I V. Wir bedauern aufrichtig, daß der uns hier zugemessene Raum
nicht gestattet, bereits jetzt noch auf einzelne Erörterungen ein-
zugehen, durch welche Verf. seine angeblich ganz neue Theorie zu
unterstützen sucht. Wir hoffen jedoch demnächst Gelegenheit zu
haben, auch diese einer genaueren Prüfung zu unterziehen, und
müssen uns deßhalb hier auf die bloße Andeutung derselben be-
schränken. Es gehören dahin:
1) Die Argumentation aus der legis actio per sacramentum
S. 16 vgl. mit S. 30, 134, 321, 331. — 2) Bezüglich deS
Gegenstandes und Maßstabes der Consumption (S. 19, 20, 46,
48) die Betrachtung der intentio (§. 5—7, 10, 19), bei welcher
Verf. statt der bisherigen Lesart des Gajus IV. 41 emendirt:
intentio est ea pars korrnulae ex qua actor desiderium suum
concludit. Verf. will dadurch das desiderium (Anspruch) von
der intentio (Behauptung) trennen (S. 40), und das desiderium
actoris in der Formel in die Mitte zwischen intentio und con-
demnatio verlegen (S. 50 vgl. S. 37, 56, 93.) Keller, Civ.
Pr. §. 39 macht mit Recht bereits darauf aufmerksam, daß die
Gajanische Definition sich an das ältere Recht anschließe, und
deßhalb nicht ganz auf die Mannichfaltigkeit der späteren Formel-

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