Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

von Ernst Immanuel Bekker.

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wurde. Hier ist es gerade das besondere Verdienst Kellers, durch
eine mit Entdeckung des Gajus erleichterte (vgl. dazu Göschen
Vorrede zu Gajus, ed Lachm. p. LVill; Savigny. Syst. VI
§. 283; und dagegen Verfasser S. 6 Zeile 12 v. u. S. 8 a. E.)
Darstellung der wahren und vollständigen Bedeutung der L. C.
den Beweis geliefert zu haben, daß die älteren Römer den Schutz
gegen neue Klagen über denselben Rechtsanspruch bereits auf die-
sen frühem Zeitpunkt des Rechtsstreites verlegten, so daß in der
Regel eine bloß äußerliche Vergleichung genügte, um zu constati-
ren, daß «adern res vorliege. Letzteres war um so leichter, als
die Zahl der Klagmittel eine beschränkte war (Gaj. IV. 11). Die
Vermehrung derselben mußte von selbst schon eine innere Umwand-
lung, eine dadurch bedingte materiellere Prüfung, und die fort-
schreitende Entwicklung des Begriffs der eadem res (auf welche
Verfasser selbst so oft Gewicht legt, §. 6, 7, 15 fg., Bei-
lage 1) vorbereiten. Als Zeitpunkt beziehungsweise Maßstab
der Beurtheilung diente hiebei das in judicium deducere, mit
welchem eine Verzehrung oder sog. Consumption der Klage in der
Weise angenommen wurde, daß sie nicht zum zweitenmale ange-
stellt werden konnte. (Gaj. IV. 131.) Dieser Grundsatz wurde in
seiner Consequenz so weit ausgedehnt, daß es von jenem Zeit-
punkte an gleichgültig war, ob ein Urtheil erfolgte oder nicht, und
welchen Inhalt dasselbe etwa hatte, so daß also selbst die Frei-
sprechung in Folge einer exe. dilatoria '*) dieselbe Wirkung
äußerte wie ein freisprechendes Erkenntniß in der Hauptsache.
Diese Ausdehnung des durch den Satz bis eet. bezweckten Erfol-
ges der Verhütung zweimaliger Verhandlung desselben Anspruches
mußte aber in ihrer starren Consequenz dem gereifteren Rechts-
bewußtseyn bald als eine mangelhafte und ungerechte erscheinen,
so daß man nach und nach immer mehr dem Urtheile zurückte,
und dessen Zweck ins Auge faßte, nämlich daß die Tendenz der
Regel bis eet. nur dann als gerechtfertigt erscheine, wenn eö, wie
Savigny l. e. S. 270 sagt, darauf ankomme, jeder richterlichen
0 Iustinian sagt darüber in §. 10 I. de exe.-nec post
tempus olim agere poterant, quum temere rem in judicium de-
ducebant et consumebant, qua ratione rem amittebant, vgl.
dazu Gaj. IV. 123; Sav. 1. c. §. 283 Note m; Wächter, Erört. 11K.
S. 11, 18 Note 20, S. 41 fg.
Kritische Ueberschau. IU.

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