Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Die neueste Darstellung des Strafrechts. 5
Rechtsphilosoph angehört. Wir wollen eS dahingestellt seyn lassen,
ob man nicht hier und dort an dieser Form der Darstellung „deS
deutschen Strafrechts" Anstoß nehmen werde. Wir für unseren
Theil verhalten uns gegen dieselbe vollkommen indifferent; wir
wollen sie hier weder im voraus rechtfertigen, — dieß dem Ver-
fasser für den Fall des Angriffes selbst überlassend, — noch wollen
wir sie tadeln; unsere Absicht ist es, uns lediglich an den Inhalt
des Werkes zu halten, ohne uns auch nur in eine Erörterung
über die ökonomische Vertheilung des Stoffes einzulassen, indem
dieß uns in die Dialektik selbst hineinführen würde.
Also der Inhalt des Köstlin'schen Systems, — was ist dar-
über zu sagen? Oben haben wir schon bemerkt, daß der Inhalt
philosophisch sey. Ja, er ist philosophisch; der Verfasser hat wirk-
lich construirt, und erklärt dieß in der Vorrede selbst offen, und
noch dazu mit dem Beisatze, daß ihm die „principielle Construc-
tion" als die Hauptaufgabe erschienen sey. koum hab6rmi8 confi-
tentem! Die „Coterie der Historiker vom reinsten Wasser" scheint
Köstlins Freundin nicht zu seyn; vor ihrem Richterstuhle wird es
daher Köstlin wenig helfen, wenn er nach jenem Bekenntnisse so-
fort darauf hinweist, daß darüber (über das „principiell construi-
ren") „die geschichtliche Entwickelung nicht zu kurz gekommen sey".
Letzteres ist nun freilich nicht zu läugnen; man wird dem „Systeme"
die Anerkennung nicht vorenthalten können, daß es „den dogmen-
geschichtlichen wie den rechtsgeschichtlichen Faden überall so weit
zurückzuführen sich bemüht, als es irgend mit Verlässigkeit geschehen
kann", und daß es durch genaue Darstellung der geschichtlichen
Entwickelung für die Erklärung des heutigen Rechtszustandes un-
gleich mehr geleistet hat, als alle seine Vorgänger. Zum Beweise
der Wahrheit dieser Behauptung haben wir nicht nöthig einzelne
Beispiele anzuführen; jeder Paragraph liefert in den zugefügten
Anmerkungen den Beleg dafür. Wir erhalten in diesen Zusätzen
nicht selten ganz neue historische Aufschlüsse über diese oder jene
Grundbestimmung des römischen oder deutschen Rechts; manche
altbekannte Bestimmungen erscheinen hier in einem ganz anderen
Lichte; — überall aber ist jedem Dogma seine ganze Geschichte
— so weit es der Raum eines Systems gestattet — vollständig
beigegeben; ja in der eigentlich gemeinrechtlichen Periode geht der
Fleiß und die Genauigkeit bei der Registrirung der verschiedenen

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