Full text: Volume (Bd. 2 (1843))

48 C. Sell, Von den csusis, ex quibus infitiatione lis crescit etc.
steht erst der Begriff eines rechtsverbindlichen Plebiscites '), und
daher bleibt denn, wollen wir nicht die von Theophilus und
dem Scholiastcn der Basiliken herrührende Kunde überhaupt
als unwahr verwerfen, wozu wir in keiner Weise Grund ha-
ben, nichts übrig, als die dritte secessio plebis auf den inons
Janiculus, welche a. 467 nach Livius XI. epit. propter aes
alienum, post graves et longas seditiones erfolgte, durch den
Dictator Q. Hortensius aber beigelegt wurde, als den Zeit-
punct anzusehen, in dem unsre Lex Aquilia entstand. Und
damit stimmt denn auch überein, daß seit den XII Tafeln mehr
wie anderthalb Jahrhunderte verflossen waren, um das Unzu-
reichende der wenigen aphoristischen Bestimmungen über Scha-
densersatz empfindend, sich nach einem umfassenden Gesetze über
Schadenszufügungen zu sehnen. — Daß sich das Gefühl des
Bedürfnisses eines solchen Gesetzes vorzugsweise immitten der
Plebs kund gab, dafür bürgt die Eigenschaft der Lex Aquilia
als eines Plebiscites, und dies darf denn auch nicht Wunder
nehmen, wenn wir uns die Stellung der Plebejer den Patri-
ciern gegenüber zur Zeit der höchsten Zerwürfnisse, die dem
Aquilischen Gesetze vorhergingen, klar machen. Wie häufig
mag ein patricischer Creditor, sein Schuldrecht mit unerbittli-
cher Strenge übend, bei dem Debitor, dessen Sclaven, Anhän-
gern, ja bei der ganzen Plebs Widerstand gefunden * *)? wie
häufig patricischer Uebermuth seinem Hasse gegen Plebejer
durch Angriffe auf deren Person und Eigenthum Luft gemacht
haben? — Zur Veranschaulichung kann des Livius Schilde-
rung 3) einer, früheren Zeiten angehörigen, Scene dienen, die
sich bei steigenden Zerwürfnissen zwischen Patriciern und Plebe-
jern unstreitig auch später noch oft wiederholt hat. — Haec

l) Livius III, 55.
*) Bergt. Livius VI. 27. 32. 34. 35. init. 36. i. f. 39. VII 19. 21.
27. 28. 38. 42. XIII. 28. IX. 34. 46. X. 6 — 9. 23.
*) Livius III. 11. 12.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer