Full text: Volume (Bd. 2 (1843))

SB. Sell, zur Lehre von der Errichtung der Testamente. 467
verbündete Privatpersonen in dessen Wohnung gesendet, welche
den Scheinact der Errichtung eines öffentlichen Testaments vor-
nehmen. — Leicht wird ein solcher Betrug fteilich nicht un-
ternommen und durchgeführt werden können; allein unmöglich
ist dies doch durchaus nicht, und das Gelingen eines solchen
Planes würde noch nicht einmal zu den feinsten Betrügereien
gehören, welche in unseren Tagen durchgeführt worden sind 91).
Denn, mag es auch im eigenen Wohnort des Blinden schwer
sein, denselben auf diese Weise zu hintergehen, weil seine Lo-
calkenntniß und die Fähigkeit, die Personen an der Sprache
zu erkennen und scharf zu unterscheiden, hier im Wege steht :
so ist doch die Durchführung eines solchen Betrugs an einem
fremden Orte eben nicht mit besonderen Schwierigkeiten
verbunden. — Wie sehr steht gerade hier der Blinde dem Se-
henden nach! —
Ganz anders ist es bei der gesetzlich vorgeschriebenen Form
des Testaments eines Blinden. Hier wird in der Regel der
Blinde gewiß nach eigener Wahl näher stehende vertrauensvolle
Personen als Zeugen zuziehen9«), welche ihn gegen Täuschun-

»>) Daß bei den Römern der Gedanke an die Möglichkeit solcher Be-
trügereien nicht ferne lag, das zeigen schon die bekannten Beispiele
der raffinirtesten Erbschleicher«.
»* *) Selbst am Wohnort des Blinden würden Ueberlistungen dieser Art
unter besonderen Umständen keineswegs in das Reich undenkbarer
Fälle gehören.
*3) Auch dort könnte nämlich ein öffentliches Testament an sich ohne
Anstand errichtet werden, weil Compttenz des Civilrichters nicht er-
forderlich ist.
*4) Es steht ja auch nach const. 8 eil. s. f. dem testirenden Blinden
die Befugniß zu, einem der Jeugen, zu dem er besondersJutrauea
hegt, die nach der vorgeschriebenen Form errichtete TestamentSur-
kunde zur Aufbewahrung zu übergeben, verb.: libera potestate con-
cedenda voluntates suas in praedictum moduin ordinantibus,
chartulam ita subscriptam, ita denique consignatam, ut antelatae
formae declarant, cui velint ex testibus custodiendam mandare.
Auf diese Worte folgt dann unmittelbar der oben mitgetheilte Schluß-
satz der Konstitution: Sic namque fieri confidimus etc.

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