Full text: Volume (Bd. 2 (1843))

466 W. ©eil, zur Lehre von der Errichtung der Testamente.
Rechts 89) demnach hier nicht wohl gedacht werden kann.
Mit der ganzen bisherigen Ausführung kann zum Schluffe
noch ein anderer Grund verbunden werden, welcher zeigt, daß
für die römische Form des Testaments eines Blinden selbst das
Princip der Zweckmäßigkeit spricht, und daß die Form des öf-
fentlichen Testaments hier keineswegs für alle Falle als aus-
reichend erscheint.
Man kann den Dissentienten wohl zugeben, daß die public»
Läes des Civilrichters beim öffentlichen Testament die Stelle
der Privatzeugen vollständig vertritt, und daß demnach eine
genügende Garantie gegen Unterschiebung oder Verfälschung
des Testaments geboten ist, wenn wirklich der Civilrichter in
gesetzlicher Form ein Protokoll ausgenommen hat rc.: allein da-
mit ist noch keine genügende Sicherheit gegen Unterschleife der
Art gegeben, daß durch Betrug der Civilrichter ganz umgan-
gen und dadurch der ganze Testiract illusorisch gemacht wird.
Man denke z. B. den Fall. Ein gewissenloser Jntestaterbe,
welcher das Testament seines nächsten Verwandten vereiteln
will, um dessen gesetzlicher Universalerbe zu werden, führt die-
sen blinden Verwandten, statt zu dem Civilrichter, zu dritten
in's Einverständniß gezogenen Privatpersonen, und vor diesen
wird zum Schein der ganze Act der Errichtung eines öffentli-
chen Testaments vorgenommen. Der Testirende ist in dem
Glauben, eine gültige letzte Willensordnung errichtet zu ha-
ben, beruhigt und — stirbt ohne Testament ^o). Oder dem
erkrankten Blinden werden statt des Civilrichters andere mit-

89) Fr. 32. 35. 36. D. de lcgib. (1, 3.) §. 9. 11. I. de jure naturali
(1, 2.).
®°) DaS Scheintestament würde natürlich von dem schlauen Betrüger
cassirt, und dem blinden Testator statt des Depositionsscheins ein
anderes gleichgültiges Papier untergeschoben werden. Ebenso würde
der Betrüger auch den Blinden wohl sorgfältig bewachen, damit
nicht etwa durch dessen Unterredung mit dritten Personen der Be-
trug zu Tage kommen könne.

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