Full text: Volume (Bd. 2 (1843))

444 W. @cll, zur Lehre von der Errichtung der Testamente.
In neuerer und neuester Zeit ist nämlich in allen deut-
schen Taubstummen - Instituten der Unterricht hauptsächlich
dahin gerichtet, die Taubstummen und Taubstumm-Gebornen
auch sprechen zu lehren. Dieser Unterricht wird haupt-
sächlich durch das Sehen vermittelt. Da nämlich beim Spre-
chen der Mund, die Zunge, ja das ganze Gesicht ebenso viele
verschiedene Bewegungen machen, als articulirte Töne dem
Ohre vernehmbar werden, so kann sich am sprechenden Munde
(an der Bewegung der Lippen rc.) ebenso ein sichtbares Al-
phabet ergeben, wie durch das Ohr ein hörbares Alphabet ver-
nommen wird. Daneben dient zur Unterstützung bei dem Un-
terricht der Gefühlssinn, welcher bei Taubstummen ungleich
feiner, als bei Vollsinnigen ausgebildet ist. Die Taubstummen
fühlen nämlich nicht nur die Vibrationen der Hals- und ande-
ren Sprachmuskeln, sondern sie haben auch in anderen Theilen
des Körpers, z. B. auf der oberen Flache der Hand, auf dem
Scheitel^) k. ein so feines Gefühl, daß sie die an diese

mentar §. 468. Nr. b. hält es für zweifellos, daß Taubstumm-
Geborne reden und schreiben lernen könnten. Dagegen Westphar,
Theorie des röm. Rechts von Testamenten. Leipzig 1790. betrachtet
die Sache mehr als zweifelhaft i. d. W. »Jetzt will man die Kunst
verstehen, die Tauben reden zu lehren. Wie weit solche bisher ge-
bracht sei, ist bekannt.« — Auch noch Gensler, a. a. O. S. 3!6.
Not. 1. svricht i. I. 1822 nur eine leise Hoffnung aus: »ja es
zeigt sich Hoffnung, ihr (der Taubstumm-Gebornen) Sprachorgan
zu articulirten Tönen zu gewöhnen« — und nicht weniger unbe-
stimmt drückt sich Glück, a. a. O. S. 376. Not. 25. i. I. 1829
aus. — Hiernach wird eine genauere Erörterung des oben erwähn-
ten Punktes nach den Beobachtungen und Erfahrungen der neuesten
Zeit wohl nicht als überflüssig erscheinen.
34) In Frankreich, der Wiege der Taubstummen-Institute, soll der
Taubstummen-Unterricht in neuerer Zeit im Berhältniß zu Deutsch-
land nachstehen, und namentlich wird dort noch mehr die künstliche
Geberdensprache, als die Wortsprache geübt.
35) Merkwürdiger Meise scheint diese Wahrnehmung schon den alten
römischen Juristen, namentlich dem Juventius Celsus bekannt
gewesen zu sein; wie die Worte der eonst. 10 cit. b. t. (6, 22.)

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