Full text: Volume (Bd. 2 (1843))

290 W.Sell, Inwiefern sindMitglieder einer universitas unfähige Zeugen ?
§. 9.
IV. Die Frage: ob Mitglieder einer universitas in Pro-
cessen der letzteren geg en diese ein gültiges Zeugniß
ablegen können? —
wird gewöhnlich und mit Recht im Allgemeinen bejahtK).
Denn, da der Grund der Unfähigkeit oder Verdächtigkeit hier
nur in dem Interesse für die Gemeinheit beruht, so steht die-
ser Grund der Glaubwürdigkeit der Zeugen natürlich dann
nicht entgegen, wenn sie gerade gegen dieses Interesse aus-
sagen^); vorausgesetzt, daß hier nicht andere besondere Gründe
die Glaubwürdigkeit aufheben oder vermindern; z. B. Haß,
Feindschaft jc. Aus demselben Grunde geht auch hervor, daß,
wenn zwischen zwei universitates ein Proceß geführt wird, das-
jenige Mitglied, welches beiden angehört, im Allgemeinen völ-
lig glaubwürdiger Zeuge ist, weil das gleiche88) Interesse
für beide streitende Lheile sich balancirt: argum. fr. 67 §. 1 D.
de ritu nuptiarum (23, 2) (Tryphoninus lib. 9 Disputat.)
verb.: quia par affectionis causa suspicionem fraudis amovet89).—
Was hier von der vollen Glaubwürdigkeit der Aussage eines
Mitglieds der universitas gegen die letztere gesagt ist, kann ge-
wiß dann keinem Zweifel unterliegen, wenn die Mitglieder
von der Gemeinheit selbst als Zeugen vorgeschlagen, als fähig
zugclassen worden sind, und auf ihren Zeugeneid hin gegen
die universitas, welche sie producirt hat, aussagen; weil nach

86) Cramer. Observat, jur. univ. III. Observ. 826. Nr. 2.
w) Ganz richtig sagt in dieser Beziehung Orati anus ad cau. 1.
Gaus. XIV quaest. 2. Contra se enim quisque testari potest,
pro se vero minime.
88) Daraus ergiebt sich von selbst, daß, wenn das Interesse für die
eine universitas dasjenige für die andere überwiegt, das oben An-
gegebene nicht eintreten kann.
891 Vgl. auch im Allgemeinen const. 10 pr. i. f. C. de adopt, (8,48).
const. 2 C. ubi pupilli (5, 49). const. 23 C. de excusat, tutor.
(5,62).

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