Full text: Volume (Bd. 2 (1843))

268 W. Sell, Inwiefern sind Mitglieder einer universitär unfähige Zeugen ?
reicht: kann nicht in solchen Fallen am Ausgang des Rechts-
streits auch dasjenige Mitglied ein rein persönliches Interesse,
eine Vorliebe sür die Gemeinheit haben, welches zu den Ab-
gaben für Zwecke dieser Art nichts beizusteuern hat, und an
den Vortheilen der gedachten Anstalten regelmäßig keinen An-
theil nimmt, wie ein anderswo wohnender Ehrenbürger der
Gemeinde? — Oder, wenn bei einem Rechtsstreit um eine
von den einzelnen Mitgliedern benutzte Gemeindeweide ein sol-
ches Mitglied Zeuge sein soll, welches gar kein Vieh der frag-
lichen Art besitzt30); oder ein solches Gemeindemitglied, welches
für seine Person an der Benutzung gar keinen Antheil nimmt,
z. B. ein Leibzüchter (Auszüger): — lassen sich nicht auch in
diesen Fällen Gründe denken, wodurch der Zeuge zu Gunsten
seiner Gemeinde befangen ist? — Zeigt ja doch die Erfahrung
nicht selten, wie mächtig die Vorliebe für Localverhältnisse,
die Anhänglichkeit an den Geburtsort rc. wirken; und daß die
Interessen für kleinere Kreise und Verhältnisse, namentlich
Corporationsinteressen in der Regel, besonders bei minder ge-
bildeten Personen, die allgemeineren Interessen bei weitem
überwiegen! — Darum wird auch hier die gratia, Gunst,
Vorliebe für die universitas die Glaubwürdigkeit des Zeugnis-
ses bei dem einzelnen Mitgliede der Gemeinheit leicht schwächen
können; ganz nach der allgemeinen Regel, wonach Gunst,
Freundschaft, oder Feindschaft als Verdachtsgrund gegen den
Zeugen gelten *°). Dagegen kann die Zeugnißunfähigkeit, ja
selbst die Verdächtigkeit des Mitglieds der universitas hier nicht
im Allgemeinen vermuthet werden, weil dazu alle
objectiven, äußerlich erkennbaren Merkmale (welche,
wie in den früher erwähnten Fällen das ökonomische I n-

•*) Strübe I. Brd. IF. §. 2 nimmt hier vollkommene Glaubwürdigkeit
des Zeugen an.
*°) fr. 3 pr. fr. 21. §. 3 D. h. I. (22, 5). const. 17 C. eod. (4, 20).
Nov. 90 cap. 7. can. 3 pr. Caus. IV. quaest. 2 et 3.

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