Full text: Volume (Bd. 2 (1843))

262 W. Sell, Inwiefern sind Mitglieder einer universitasunfähige Zeugen?
Sowie sich nach dem Bisherigen die einseitige Analogie,
welche auf gänzliche Zeugnißunfahigkeit der Gemeinheitsglieder
hinzielt, als verwerflich gezeigt hat, so wird sich auch umge-
kehrt die einseitige analoge Anwendung jener Stellen, aus de-
nen man Vollgültigkeit der Zeugen hier gefolgert hat, als
ebenso unrichtig Nachweisen lassen. Denn lucrum, gratis wer-
den doch, wie die angegebenen Gesetzesstellen deutlich zeigen,
ganz im Allgemeinen als Gründe für mangelhafte Glaubwürdig-
keit der Zeugen in den Quellen aufgeführt; Interesse (ein mittel-
bares) haben aber die Mitglieder einer universitas selbst dann
an dem Ausgang eines Processes der Gemeinheit, wenn das
Streitobject auch nicht unmittelbar zum Privatvcrmögcn des
einzelnen Mitglieds gehört. Das zeigen die oben in diesem
Paragraphen angeführten Beispiele, und cs findet seine Be-
stätigung durch das ebendaselbst mitgetheilte fr. 2 §. 2- D. ne
quid in loco publico fiat (43, 8) Loca enim publica utique
privatorum usibus deserviunt, jure scilicet civitatis, non
quasi propria cujusque etc.
Hiernach kann auch dic Zeugnißfähigkeit der Legatare und
Fideicommissarc beim Testament, worin ihnen ein Vermacht-
niß hinterlassen worden, sowie die Gültigkeit der auctoritatis
interpositio des tutor bei einem rechtlichen Akt, welcher mit-
telbar den Pupillen zum Schuldner des tutor macht, kein ein-
seitiges Uebergewicht in Beziehung auf unsere Frage ausüben;
zumal da diese beiden Falle wieder ihre Eigenthümlichkeiten ha-
ben^), welche auf unfern Fall nicht so unmittelbar übertragen
werden können.

!6) Ueber die historische Ausbildung der Vorschriften des römischen
Rechts in Beziehung auf die Fähigkeit der Bermächtnißnehmer, beim
Testament Jeugen zu sein, vgl. Vinnii commentar, ad §. 11
I. de teslam. ord. (2, 10) und Jacob. Gothofred. commen-
tar. ad const. 3. §.'3 C. Tb. de teslam. et codicill. (4, 4), wo
auch eine Stelle aus Symmachus, Lib. 10. Ep. 55 angegeben
wird, in welchem di'e Gründe für jene Zeugnißfähigkeit näher ent-
wickelt sind.

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