Full text: Volume (Bd. 2 (1843))

246 C. Sell, Von den causis, ex quibus infitiatione lis crescit etc.
erkannt haben 2^). Das Jus Prutenicum (VI. tit. 10 Art.
1. §. 5) weiß nur bei der actio legis Aquiliae von der Litl's-
crescenz etwas, und in Bezug auf die Steigerung der Leistung
des ein Depositum ablaugnenden Beklagten stimmen das Ost-
friesische Landrecht (Ausg. v. Wicht. 1. 101), die Frank-
furter Reformation (X. 1. §. 6), die Nürnberger Re-
formation (V. 15), und das Würtembergische Recht
(II. 3. §. ult.) überein, wenn auch nach der Frankfurter Refor-
mation die Strafe des gelaugneten Depositums nicht in einem
Cresciren aufs Doppelte, sondern in Zahlung »von zwantzig
Gulden zur Buß« besteht 213).
Ob die Römische Litiscrescenz im gemeinen Deut-
schen Rechte Anerkennung gefunden hat, oder nicht, darüber
sind, abgesehen von dem Judicate, bei welchem der Litiscres-
cenz von keiner Seite mehr gedacht wird, die Stimmen der
Juristen getheilt. Ein sehr wichtiges Zeugniß liefert I o h a n n

fche Recht vergl. den Lat. Codex v. 1257. Art. 38, und den Nie-
derdeutschen Codex v. 1282. Art. 35 (beide herausgegeben von
Bunge. Dorpat 1842.).
214) Vergl. Kori Sachs. Proceß. §. 83.
215) Den letzteren Gesichtspunkt in Bestrafung des Läugnens faßt auch
die Sachs. Gothaische G. u. Pr. O. von 1776. 40. in's Auge,
das böswillige Läuqnen der Klage mit 20 Rthlrn. bestrafend, des-
gleichen die allgemeine Gerichtsordnung für die Preußischen
Staaten (1. 10. §. 11, 148. I. 23. §. 51. 52). indem sie den
Richter berechtigt, resp. verpflichtet, Parteien, welche muthwillig
läugnen, und später üderführ^ werden, in eine Geldstrafe von zwan-
zig, fünfzig bis hundert Lhalern, oder in eine verhältnißmäßigeGe-
fängnißstrafe zu nehmen. Zugleich soll der böswillig Läugnende
seine Einwendungen wider das in Abrede gestellte, später aber er-
wiesene Factum, z. B. die exceptio solutionis wider das nachge-
wiesene Darlehn ebenso verlieren, wie das Recht, einen ihm vor-
theilhaften Notheid in diesem wie in künftigen Processen auszu-
schwören. Nach allgemeinem Preußischen Landrechte (1. 20.
§. 256) geht auch der den Besitz eines Pfandes gegen den Schuld-
ner oder vindicirenden Eigenthümer vorsätzlich Läugnende seines
Pfandrechtes verlustig.

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