Full text: Volume (Bd. 2 (1843))

198 E. Seil, Von den causis, ex quibus infitiatione lis crescit elc.

§• 21.
VI. Beantwortung der Fragen, ob der Eintritt der Li-
tiscrescenz I) durch arglistiges Läugnen, oder 2)durch
einen besondern Antrag des Klägers bedingt sei?
Schon durch den ausgesprochenen Charakter der Litiscres-
cenz als einer poena temere litigantium m) rechtfertigt sich der
Gesichtspunkt, wornach sie nicht nur berufen war, das bös-
liche, sondern auch das leichtfertige Läugnen, dem man
bei ernsterem Nachdenken entgehen konnte, zu bestrafen Wi). —
Dasselbe Resultat crgiebt sich aber auch noch aus einem proces-
sualischen Grunde. Wie gezeigt, wurde zur Zeit des ordo judi-
ciorum privatorum, nach erfolgter, beharrlicher infitiatio in
jure vom Prätor die formula in duplum concipirt, die dann
für den judex einzige Norm der condemnatio war. Hieß es
also z. B. «I PARET A. AG ER 1 UM N. NE Gl DI O DAMNUM IN-
JURIA DEDISSE EX LEGE AQUILIA,’ QUANTI EA RES ERIT, IN DU-
PLUM condemna , so mußte nach erbrachtem Beweise des Kla-
gers die Verurtheilung erfolgen, einerlei, es mochte sich Bös-
willigkeit oder Leichtfertigkeit als Veranlassung der infitiatio
Herausstellen. Ein weiterer Grund für das Unwesentliche
der Arglist bei dem zur Litiscrescenz führenden Läugnen ergiebt
sich aus unserm obigen Principe, wornach den Gesetzen das
Strafbare der infitiatio darin liegt, daß dadurch dem Kläger
widerrechtlich der Beweis aufgebürdet werde. Denn dies ge-
schieht so gut bei leichtfertigem, wie bei böswilligem Läugnen.
Und endlich spricht für unsere Ansicht noch der Umstand,
daß Justinian in allen, folglich auch den Litiscrescenzfäl-

6n) pr. §. 1. I. de poeu. lern. lit. (4, 6). Gajus. IV. 171. seqq.
Nov. 18. c. 8.
6ß) Vergl. Gajus IV. 13. verb. si temere neget. L. 39* §. 1.
de Iib. causa (40, 12). L. 1. §. 10. ad S. C. Turp. (48, 16).
L. 7. §. 12. de adq. rer. dom. (41, 1).

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