Full text: Volume (Bd. 2 (1843))

W. Sei l, Inwiefern sind Mitglieder einer universitas unfähige Zeugen? 173
unfähige Zeugen fein59). Welche Mitglieder nun die angege-
bene Function haben, muß sich natürlich in jedem einzelnen
Falle zeigen. Es werden z. B. entweder gewisse Mitglieder
im Namen und Auftrag der universitas selbst vor Gericht er-
scheinen, um die Parteirolle zu übernehmen, oder sie werden,
wenn der Rechtsstreit durch einen Sachwalter geführt wird,
dessen Vollmacht unterzeichnen. Denn der Vollmachtgeber er-
scheint doch offenbar als die wahre Partei in demjenigen Pro-
cesse, welcher in Folge dieser Vollmacht von dem Anwalt (einer
Nebenperson) geführt wird. Bei einer sogenannten universitas
orrlinata wird gewöhnlich der Vorstand z. 33. der Gemeinde-
Vorstand, oder wohl auch gewisse Glieder desselben den Proceß
der Gemeinheit in deren Namen entweder selbst führen, oder
durch einen Anwalt führen lassen, und im lctztern Fall dessen
Vollmacht unterzeichnen W))- Ist aber die universitas eine sogc-
gcnannte inorllinata und sind nicht bestimmte Mitglieder von
den übrigen mit der Führung des Processes beauftragt, oder
haben bei einer universitas orllinata alle Mitglieder derselben
sich in gleicher Weise bctheiligt, z. B. indem alle die Voll-
macht für den Advocatcn und Anwalt unterzeichnet: dann sind
konsequent auch sämmtliche Mitglieder schon aus diesem Grunde
unfähige und unzulässige Zeugen, weil sie sammtlich die eigent-
liche Partei im Proceß auSmachen ol), ganz anders, wie im
Falle des cap. 6 X. eit., worin ausdrücklich vorausgesetzt wird,
daß nicht alle Mitglieder der Kirche in gleicher Weise bei der
Proccßsührung bctheiligt sind, sondern daß sie Einen oder Zwei
aus ihrer Mitte mit dieser Führung beauftragt haben. —
Was aber schließlich die Fähigkeit und Glaubwürdigkeit der
andern Gemeinheitsglieder betrifft, welche an der Führung des

**) F a r i n a e i u s I. c. Nr. 527.
eo) Mevii Decision. II. 86. Not. 5
*') Meviu» 1. c. Not. 6. Hagemann, practische Erörterungen,
VI. S. 272. 273. Not. 8.

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