Full text: Volume (Bd. 1 (1841))

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Von der prozessualischen Natur der Befitzmängel.
das ausdrückliche Hervorheben darum unerläßlich, weil er
hierdurch negativ wirklich naher charakterisirt wurde, und diese
Eigenschaften gerade das Mindeste waren, was erfordert wer-
den mußte, um nicht gegen hergebrachte andere Rechtsbegriffe
zu verstoßen. Hiernach wird denn also die Vorschrift wegen
der vitia possessionis am richtigsten so aufgefaßt werden,
wenn man sie zwar so umfassend wie möglich, aber in voller
Uebereinstimmung mit den bestehenden Prozeßregeln erklärt;
denn beides lag ohnfehlbar im Willen des Prätors. Und in
diesem Sinne ist cs denn gewiß richtig, daß, wie derPrator wieder-
holt darauf verweist, wenn Besitzschutz von ihm gefordert wer-
de, daß er unverbrüchlich darauf halten und sehen werde, ob
er auch nicht vitiose ab adversario angcfangen, so auch dem
i»dex dies insofern obgelegcn habe, und nach dem neueren
und heutigen Prozeß noch jetzt dem Richter obliege, nicht nur
von Amtswegen die Klagen zurückzuweisen, aus denen das Ge-
genthcil hcrvorgeht'), sondern auch noch dann, wenn sich spa-
ter gelegentlich dies ergiebt2). Dagegen zeigt sich die Excep-
tio ns natur der Besitzmängel auf Seiten des Beklagten
wiederum in sofern, daß für ihn die exceptio die nvthwen-
digeForm ist, in welcher allein er jene zur Sprache brin-
gen kann, und deren Vernachlässigung ihm verderblich sein
wird, wo der Zufall nicht noch etwa spielt. Das nämlich
ist doch unleugbar, daß in dem Besitzmängel kein Recht des
Beklagten liegt, welches also von diesem ausgeübt sein müßte,
der Besitz erscheint vielmehr danach s o gceigenschaftet, daß ihm
Rechtsschutz vom Gesetz versagt ist. Da nun aber diese Ei-
genschaften, als von positiver Natur, nicht vcrmuthet werden
können, vielmehr umgekehrt der Besitz so lange für fehlerlos
') Es ist »m: incht erklärlich wie Schröter in seiner Jeitschrist die-
gegen Untcrhülzner, Verjährung Tbl. I. §. 116, leugnen kann.
*) 3- 23. wenn aus Zeugenaussagen des Klägers zum Behuf seines Be-
weises gewaltsame oder heimliche Erwerbung dcS Besitzes sich er-
gäbe.

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