Full text: Volume (Bd. 1 (1841))

der rinzelnen Theilhaber gegen einander. 419
haben. So wie der, der ein Ganzes besitzt, z. B. ein Haus,
deshalb noch nicht alle einzelnen Gegenstände, woraus
das Ganze besteht, als solche besitzt l) z. B. nicht die
Fenster im Hause, nicht die Baumaterialien, woraus das
Haus gefertigt, so habe auch im Sinne der actio negatoria
derjenige, der ein gemeinschaftliches Grundstück als Ganzes mit
einem andern zusammen innehabe, deshalb noch nicht die von
dem Letztern allein auf der gemeinschaftlichen Sache angefer-
tigte Baute, als solche, mit diesem zugleich auch inne. Denn
wenn gleich die Baute jedenfalls dem Eigenthumsrechte nach ge-
meinschaftlich geworden ist, so kommt es doch darauf deshalb
nicht an, weil ja die actio negatoria hier nur hervorgeht aus
dem Miteigenthum der ganzen gemeinschaftlichen Sache, und
insbesondere aus derjenigen Beschaffenheit derselben, wie sie
vor dem Baue war, und daher die Baute so angesehen werden
kann, als sie mittelst einer gemeinschaftlichen Sache
eine andre gemeinschaftliche Sache beschwert oder ver-
letzt. Dies aber ist denkbar, weil mit der actio negatoria nur
Anerkennung des Eigenthums als eines einer Belästigung recht-
lich nicht unterworfenen, erstrebt wird: solche Belästigung aber
für eine gemeinschaftliche Sache durch eine andere gemein-
schaftliche an und für sich möglich ist. Denn nicht daß die Baute
gemeinschaftlich geworden ist, ist das Klagefundament der actio
negatoria, sondern vielmehr das, daß das Gebäude hier hinge-
setzt worden ist, was eben das Eigenthumsrecht an dem Gebau-
ten selbst nicht nothwendig berührt.
Wenn nun aber auch da, wo eine gemeinschaftliche Mauer
opere a vicino facto sich nach des einen Mitcigenthümers an-
stoßendem alleinigem Grundstück hinüberneigt, zu klagen verstattet
wird, ju» non esse ita parietem habere, so ist darauf die eben
gegebene Deduktion nicht anwendbar, da hier die Beschaffenheit
der ganzen gemeinschaftlichen Sache durch das opus factum

*) L. 23. §. 7. D. de rei vind. (VI, 1).

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer