Full text: Volume (Bd. 1 (1841))

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von i. 3, 8- 7. D- de adira. leg. p. p.
zum Grunde liegt, oder der Herausgeber eine Mehrzahl der-
selben kritisch benutzte, versteht sich von selbst. Wie viele der-
selben aber verdanken nicht zur Zeit der Erfindung der Buch-
druckerkunst rein merkantilischcn Zwecken ihre Entstehung, und
bieten uns nebst den Fehlern einer vielleicht mittelmäßigen
Handschrift noch ein stattliches Register von eignen Nachlässigkeits-
sünden! Daher wird es dem ausdauernden Fleiß in der Mehr-
zahl streitiger Stellen fast immer gelingen, eine gute Anzahl
von Handschriften und noch mehr von Ausgaben für oder
wider eine zweifelhafte Lesart anzuhäufen, und mit dem Schein
von Gelehrsamkeit der vertheidigten Ansicht ein größeres Ge-
wicht zu geben, ohne daß darum diese prunkende Weisheit sich
eines soliden Fundamentes erfreute. Wenn daher in unserem
Falle die Lesart ueutri den besten Vulgatmanuscripten zuge-
schrieben worden ist, so muß man bedauern, daß es Nieman-
den gefallen hat, dieselben zum Zweck genauerer Beurtheilung
ihres Wcrtbes namhaft zu machen, und wird fast veranlaßt
zu glauben, es sei hier nur ein Euphemismus gewählt für das
Einfachere: die Glosse sagt, daß Einige hier ueutri lesen. Und
daß es Glossatoren gab, welche in der Fertigkeit des non Ein-
schiebens es ebenso weit gebracht hatten, wie manche neuere
Juristen, ist etwas, was schwerlich mit Beispielen belegt zu
werden braucht *). Man beruft sich aber für die Lesart neutr!
auch auf viele Ausgaben. Hat man sich wohl den kritischen
Werth derselben klar gemacht, insonderheit die Frage, ob sie in
unserm Falle aus selbstständiger Quelle schöpfen oder eine alte
Conjectur Nachdrucken? — In die zweite Categorie sind zwei
Versuche zu stellen, bei denen es schwer zu sagen ist, welcher
von beiden das Ergänzungsvermögen des Lesers stärker in An-
spruch nimmt. Dem ersten zufolge sollen die Worte: 8i —
') Für die Entstehung der Eonjectur verweise ich auf von Savigny
Geschichte des R. Rechts im Mittelalter, 2, AuSg. B. 3, Anh. Vlll.
S. 739, Nr. 17'- (woselbst hinter Flor, die Worte utrique legalum
ausgefallen fein dürften), welcher aus Ms. Bamb. D. I. 10 zu den
Worten utrique legatu,,, die Marginal-Gloste anführt: p. (b. h.
Placentinus) neutrique. Und Placentinus ist bet allem Scharfsinn
frei Von critischer Willkür.

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