Full text: Volume (Bd. 1 (1841))

310 Bluntschli, Juristische Bemerkungen.
werbformen nur geeignet seien, ein io donis, nicht aber
ein echtes römisches Eigenthum (ex jure yuiritium)
zu erzeugen. Es ist indessen nicht mein Vorsatz, dieses im all-
gemeinen näher nachzuweisen. Ich will mich vielmehr darauf
beschranken, die Occupatio» als eine einzelne naturale Erwerb-
art näher ins Auge zu fassen und an ihr zu erörtern, inwie-
fem dieselbe sich zur Erzeugung des echten römischen Eigen-
thumes im Gegensätze zu dem bloßen in bonis geeignet habe.
Es versteht sich, daß wir von den Stellen der römischen
Juristen, welche über die Frage Licht verbreiten können, aus-
zugehen haben: aber hinterdrein, nachdem wir diese Stellen be-
sehen und interpretirt haben werden, kann es nicht schaden,
wenn wir die einander widersprechenden Meinungen über die
Beantwortung der Frage auch noch an den Maßstab der Be-
dürfnisse des Lebens halten und die Möglichkeit ihrer Verwirk-
lichung im Leben prüfen. Vielleicht, daß sich dann die Rich-
tigkeit oder Unrichtigkeit der gewonnenen Resultate desto klarer
herausstellt.

Gajus hatte die Lehre von dem Erwerbe des Eigenthums
in dem zweiten Buche seiner Res quotidianae, wie es scheint,
mit besonderer Ausführlichkeit behandelt, so daß die Justinia-
nischen Compilatoren für ihren Titel de acquirendo rerum do-
minio umfassende Auszüge aus dieser Schrift zur Einleitung
wählten. In diesem Buche stellt Gajüs an die Spitze seiner
Lehre den Satz: das Eigenthum, dominium, werde entweder
nach jus gentium erzeugt, oder nach den eigenthümlichen For-
men des jus civile. Da aber jene Erwerbarten die ältem,
ursprünglichem seien, so wolle er auch zuerst von diesen re-
dm. Dann beginnt er seine Theorie mit der Dccupation.
lu 1. pr. de adquir. rer. dom. (Gajus libro II. Rerum
quotidianarum sive Aureorüm.) Quarundam rerum domi-
nium nanciscimur jure gentium, quod ratione naturali inter

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