Full text: Volume (Bd. 1 (1841))

W. Seil, lieber das Verbot der Zinse» «upra äuplum.
gedeutete Conflict der ärmeren und reicheren Bürgersklasse
aufs Stärkste hervortritt. Denn gerade hierin liegt einer der
mächtigsten Hebel in dem großen Kampfe der armen Plebejer
gegen die reichen Patrizier; und noch lange nach dem Ver-
schwinden dieser beiden ursprünglichen Stande giebt derselbe
Grund die Veranlassung zur Spaltung der Bürger in ver-
schiedene Parteien, welche sich feindlich gegenüberstehen ').
Ueberhaupt ist bekannt, daß der Kampf, den die Geschichte
Roms zwischen der höhern und geringeren Klasse des Volkes
zeigt, in Beziehung auf rein materielle Interessen um zwei
Hauptpunkte sich dreht, welche häufig zu gleicher Zeit verfolgt
werden, nämlich: gleichmäßigere Theilnahme an der Benutzung
des ager publicus (leges agrariae) und Erleichterung der durch
Schuldenlast niedergedrückten Plebs. Der erste Punkt berührt
unsere Untersuchung nicht näher; wohl aber der zweite, den
wir nun näher ins Auge fassen.
Es kann ohne Uebertreibung behauptet werden, daß die
mißlichen Schuldverhältnisse bei den Römern, und namentlich
der Zinswucher der Föneratoren, von den frühesten Zeiten der
römischen Republik durch deren ganze Dauer hindurch *), und
noch später *), wie ein eiterndes Geschwür an dem Mark des
römischen Volkslebens zehren, die Republik so häufig verwir-

x) Tacit. Annal. VI, 16. veil).: Sane vetus urbi foenebre malum,
et seditionum discordiarumque creberrima causa. — Appi an
de bell, civil. I. cap. 54. cap. 10 sqq. Sallust. historiar. fragm.
Lib. I. (Ed. F. D. Gerlacb. Basii. 1832. p. 183.) verb.: Nam
injuriae validiorum, et ob eas discessio plebis a patribus aliae-
que dissensiones domi fuere jam inde a principio etc. — —
Quibus saevitiis et maxume foenoris onere obpressa
plebes etc.
2) Man vergl. nur die Zeugnisse bet Livius, Sallustius, Cicero,
Plutarch, Horatius, Juvenal, Tacitus u. A., in der fol-
genden Darstellung besonders §. 2 — 4.
s) Bergt. §. 8 ff. unten.
Sclt' sche Jahrbücher 1. 1.

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