Full text: Volume (Bd. 1 (1841))

108 Keller, Beitrag zur Lehre vom römischen Literal-Contracte.
welche er als an seinen Sclaven Chrysogonus ausgezahlt ein-
trug, seinem Mündel Malleolus gut schrieb.«
Gegen diese Interpretation steigen nun aber große Zwei-
fel auf, und der Hergang, wie er durch sie dargestellt wird,
scheint nicht allein unerwiesen, sondern in der That unmöglich
zu sein. Schon das hat seine Schwierigkeit, daß ein Herr,
der seinem Sclaven Geld übergiebt, um es sicher aufzubewah-
ren, dasselbe als an diesen Sclaven bezahlt in Ausgabe brin-
gen sollte. Dann aber: wie ist es auch irgend möglich, daß
dieser Cassaeintrag (von Literalcontract wird doch wohl nicht
die Rede sein?) dem Verres etwas helfen konnte, sei es, um
sich der Zahlung der durch Acceptilation anerkannten Schuld
zu entziehen, oder auch nur darüber Chikanen zu erheben'?
Er kann doch nicht im Sinne gehabt haben, jene Zahlung an
seinen eigenen Sclaven als Zahlung des Guthabens von Mal-
leolus gelten zu machen. Auch hatte bei dieser Voraussetzung
Cicero weit eher Ursache, sich darüber aufzuhalten, daß Verres
die sexcenta Chrysogono expensa lata den Erben nicht habe
zukommen lassen, als davon zu reden, daß er die acceptofe-
rirte Summe nicht ganz bezahlt habe. Endlich genügt die
Bemerkung, daß Cicero selbst über diese expensilatio sich wun-
dere, gewiß keineswegs, um uns von genauerem Nachforschcn
abzuhalten, denn Cicero macht wohl diese Handlung verdäch-
tig und sagt den Richtern: »Ihr werdet streng untersuchen,
wie es dazu gekommen sei,« — mit andern Worten, er siicht
ihnen die Ansicht beizubringen, daß darunter etwas Unrechtli-
ches versteckt liege; aber das ist von ferne nicht fein Gedanke,
daß Verres damit etwas ganz Plan- und zweckloses, ja un-
begreifliches vorgekehrt habe.
Wunderlich, der auf unsere Stelle kommt, um gegen
Savigny zu beweisen, daß sie nicht von Literalcontract, son-
dern bloß von nominibus arcariis handle, versteht sie so:
Verres habe dem Chrysogonus, der nicht sein, sonderndes
Malleolus Sclave gewesen, die sexcenta (freilich, wie

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