Full text: Volume (Bd. 1 (1841))

106 Keller, Beitrag zur Lehre vom römische» Literal-Contracte.
kena). Verres habe im eigenen Buche 600,000., die er seinem
Sklaven Chrysogonus gegeben (damit er sie dem Malleolus bringe),
eingetragen, dann aber in dem Buche des Malleolus den Em-
pfang dieser Summe gemeldet. Beides fälschlich, so daß Mal-
leolus durch diese Manipulation um die sechsmalhunderttausend
geprellt worden sei. Der Rest der decies, die Verres wirk-
lich zu bezahlen Willens gewesen, habe also nicht 600,000.,
sondern nur 400,000. betragen, woraus denn von selbst folge,
daß man unten bei den Worten »'Hure» sexcenta millia cum
accepta retulisset« das sexcenta in quadringenta emeN'
diren müsse. Wem das nicht gefalle, der möge »accepta«
in »expensa« verwandeln. »Ilaec cst,« so schließt er zufrie-
den, »omnino huius loci sententia: quid alii senserint, omitto.«
Da darf man wohl mit Graevius ausrufen.- »Hoc est gras-
sari in antiquorum scripta.“
Ferratius nennt den Chrysogonus einen Libertus (!)
des Malleolus. Verres habe nun in seinem Buche eine
Zahlung von 600,000. an diesen Chrysogonus in Ausgabe ge-
bracht, die er aber nie gemacht habe. »Accepta pupillo Mal-
leolo retulit« soll sich dann vermuthlich auf das Buch des
Malleolus beziehen; doch ist dieß nicht ausdrücklich gesagt.
Die ganze Interpretation scheint in Vergleichung mit den übri-
gen nur einen hohen Grad von Unklarheit voraus zu haben,
so sehr sie von ihrem Urheber am Anfang und am Ende nicht
allein für ihre einzige Nichtigkeit, sondern auch für ihre Klar-
heit empfohlen wird.
Zumpt acceptirt zuvörderst die Nachricht des Asconius,
daß Chrysogonus ein Sklave des Verres, und nicht etwa des
Malleolus gewesen sei. Dann erzählt er die Erklärung von
Hottomannus und Graevius, und findet sie zwar an sich wohl

*) So auch N. München, M. Tullii Ciceronis pro Q. Roscio Co-
moedo etc. Coloniae 1829. 8. p. 2.5., wo Chrysogonus ebenfalls
als Sklave des Werkes gilt.

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