Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

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in der Lehre von Gewähr der Mängel a» verkauften Sache».
durfte freilich der Käufer von dem fehlerhaften Zustande nicht
schon selber unterrichtet gewesen sein. Denn die Strenge des
formellen Rechts, wonach auch dann der Verkäufer wegen der
Mangel hätte haften müssen °), ward in einem solche Falle
durch die größere Billigkeit überwunden, welche die Annahme
einer Benachtheiligung des Käufers, die ja eben von ihm ab-
gewandt werden sollte, alsdann ausschloß, wenn dieser wis-
sentlich eine mangelhafte Sache gekauft und damit factisch sei-
nem Anspruch auf Schadenersatz gegen den Verkäufer entsagt
batte. Diese Ausnahme so wie die durch sie beschrankte Regel
über die Verbindlichkeit des dolosen Verkäufers zur Gewähr
der Fehler sucht uns Cicero ') an zwei Beispielen zu er-
läutern, von denen das letztere dem Schatze seiner eigenen Er-
fahrung angehörte. Daß nun die von ihm erwähnten Rechts-
fälle sich gerade auf Grundstücke bezogen, darf wohl als ein
bloßer Zufall angesehen werden: wenigstens möchte die Be-
hauptung, daß nur bei dieser Gattung von Sachen der Ver-
käufer für die von ihm verheimlichten Fehler habe einstehen
müssen, ohne andere Rechtfertigungsgründe, als die sich aus
den Worten: »ac de jure quidem praediorum illud sanctum
est« 8) nehmen lassen, ein zu gewagter und voreiliger Schluß
sein. Für eine solche Unterscheidung läßt sich weder ein inne-
rer Grund Nachweisen, noch findet sie sich irgendwo, selbst nicht
beim Cicero, ausdrücklich hervorgeboben. Dieser leitete viel-
mehr , indem ihm gerade zwei auf Grundstücke bezügliche
Rechtsstreitigkeiten vorschwebten, die Erzählung derselben mit
den vorhin erwähnten Worten auf eine rein natürliche, durch
keine weitere Prüfung bestimmte Weise ein. Wollte man auch
der Annahme, daß das Gesetz der XII. Tafeln bloß bei Grund-
stücken den Verkäufer wegen seiner Zusagen verpflichtet habe,
beitreten: so ist doch an eine ähnliche Beschränkung schwerlich
bei der Verbindlichkeit des dolosen Verkäufers zu denken,
*) Cic. o. a. £).; »quid vitii venditor non dixisset sciens, id opor-
tere praestari « 7) «. a. £>. 8) Cic. de off. III. 16 init.

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