Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

die in Justinian'-Z Pandekten crcerpirten juristischen Schriften gehabt? 17
findet sich nicht bei den Juristen, sie müßte sonst gerade bei
der Speciftcation hervortreten.
Die Ausdrücke der Juristen über den embryo als spes
animantis, nondum animal 3*) verbunden mit der juristischen
Sorge für den noch nicht Geborenen haben mit der stoischen
Ansicht über den Ursprung der Seele nichts zu thun, mail
müßte sonst in jeder einfachen Sprachweisc etwas Stoisches
finden. Die juristische Ansicht von der Strafbarkeit der aba-
ciio partus so wie die Sonderung derselben vom homicidium
dürften eher aus der Volksansicht, als aus der Stoa, zu lei-
ten sein. Jede etwas entwickelte juristische Ansicht wird gewiß
beide Handlungen unterscheiden.
Der vir bonus und diligens paterfamilias, welche die
römischen Juristen bei Abwägung der culpa nennen und als
Maaß und Muster hinstellen, sind keine Nachbildung des
stoischen Weisen, der zu einem praktischen Maaßstabe sich nicht
eignet 32). Daß nicht dem Nutznießer einer Sklavin, sondern
dein Proprietär das Kind derselben zufallt, hat nichts mit
Chrysipp's Satz, daß Alles der Menschen wegen da sei **),
zu thun; darnach Härte das Kind frei sein und nicht Eigen-
thum des Proprietär werden müssen. Die milde Ansicht der
Juristen über die Nachtheile des Selbstmordes stammen nicht
gerade aus der stoischen Schule, zumal da sie diese Milderung
nur bei dem Selbstmorde wegen Uebermaaß des Schmerzes,
Lebensüberdruß u. s. w. eintreten lassen, und nicht darauf zu-
rückführen, daß es Jedem frei stehe, seinem Leben ein Ende zu
31) L. 1. §. 8. D. unde cognati wird sogar der conceptus animal ge-
nannt.
35) Maiquyli us I. c. lib. 2, cap. 50.
30) L. 28. tz. 1. de usuris. Daß Gajus feine und die allgemeine juristi-
sche Ansicht schlecht begründet, kann in der Sache nichts ändern. Die
Sklavinnen wurden nicht gerade des KindergebärenS wegen gehalten,
der Nutznießer konnte andere Vortheile von ihnen haben, und so er-
klärt sich, daß der Nutznießer nicht die Sklavenkinder als Früchte der
Mutter erhielt.

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