Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

W- Sell, Zur Lehre von der Zncapacität und Indignität. 455
ten; denn zuerst gestattet er die Ehe solcher Frauen mit höhe-
ren Würdenträgern, weil der Kaiser durch das erwirkte Re-
fcript die früher bestehende Ehrenschmälerung der muliere«
famosae als völlig getilgt betrachtet: und hierauf verleiht er,
in Folge der durch das Rescript wiederhergestellten Ehre und
der darauf gegründeten Ehefähigkeit, solchen Frauen auch dann,
wenn sie sich nicht verheirathet haben (si — ad matrimonium
venire distulerint), die weitere Fähigkeit, Erblchaften und Ver-
mächtnisse wirksam zu erhalten (was natürlich um so mehr
galt, wenn sie verheiratbet waren) Besonders schlagend schei-
nen hier die Worte des §. 3. der const. 23. cit.: salvam
eis nihilominus existimationem servari praeci-
pimus, tam in aliis omnibus, quam — — ad su-
scipiendam competentem sibi legibus ab aliis relictam vel ab
intestato successionem.
Wenn nun — kann man fragen — später Justinian
solchen Frauen auch ohne vorausgegangenes Rescript die Ebe-
sähigkeit verleiht, stützt sich diese nicht auch auf die salva exi-
stimatio? — und soll diese salva existimatio nach Just inian's
neuester Gesetzgebung, die doch gewiß nicht hinter der Consti-
tution von Justinus in der Begünstigung unzüchtiger Frauen
zurückstchen wollte, weniger Wirkungen haben, als nach const.
23. cit. ? — Läßt sich nach dem angegebenen Entwickelungs-
gange und nach dem Geiste des neuesten justinianischen Rech-
tes wohl denken, daß personae humiles vel abjectae (zu de-
nen nach der oben angeführten Jntrepretation Martian's
auch mulieres probrosae gehören) — ohne gesetzliches Hin-
derniß eine vollgültige Ehe mit den höchsten Würdenträgern,
ja mit dem Kaiser selbst eingehen können '2); daß sie aber, in
dieser Beziehung zwar von jedem Ehrenmakel befreiet, den-
noch 'n Beziehung auf den Erbschaftserwerb an demselben
alten Ehrenmakel leiden sotten? —
JS) Der Fall der Verheirathung Justinian's mit Theodora weift ja
gerade darauf hin. S. oben S. 448. Not. 58.

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