Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

W. Sell, Zur Lehre von der Jncapacität und Indignität. 439
insbesondere in ihrer ganzen Ausdehnung der früheren Gesetz-
gebung Justinian's zu Grunde 29). Zwar findet sich in der
letzteren nirgends eine bestimmte Stelle, welche die Jncapaci-
tat der foeminae famosae oder probrosae als generelle Regel
ausdrücklich ausspricht; wohl aber zeigt der ganze Geist der
justinianischen Compilation, namentlich des Digestenrechtes,
sowie einzelne darin enthaltene Anwendungen jener Regel, daß
man dieselbe als allgemein geltend vorausgesetzt hat.
Wie sich aus dem Früheren ergiebt, steht die Incapaci-
tät der gedachten unzüchtigen Frauen mit deren Unfähigkeit
adultera nicht wirksam erwerben konnte, im Testamente dem knppleri-
schen Ehemann derselben (leno vgl. fr. 2. §. 1—9. fr. 3. 8. pr. 1).
a<l leg. Jul. de adult. (48,5) mit Ta eil. Anna!. 11,85). zuwendete.
2 llvettal' s Worte lallten:
(2inl leno accipiat moechi bona, si capiendi
Jus nullum uxori, -— —.
**) Indirect filldet diese Ausdehnung der Vorschrift Domitian'ö auf ge-
setzliche Erbschaften eine Bestätigung durch eine Digestenstelle von Ul-
pianus, worin der mulier famosa nach dem SCtum Tertullianum
ein gesetzliches Erbrecht in Beziehung auf ihre Kinder besonders znge-
standell wird: fr. 2. 8. 4. D. ad SCtum Tertuü. (38, 17). Si mu-
lier sit famosa, ad legitimam hereditatem liberorum admittetur.
Denn eine solche besondere Bestimmung würde doch wohl in solchem
Zusammenhänge sich nicht findet!, wenn mulieres famosae ganz im
Allgemeinen schon gesetzliches Erbrecht gehabt hatten. Mühlenbruch
a. a. O. S. 269 ff. Not. 53. a. E. Mühlenbrnch, Pand.-Recht.
8. 642. Not. 5. Vgl. auch Marezoll a. a. O. S. 239. 240. Zim-
mern a. a. O. §. 133. Not. 25. v. Vangerow, Lehrbuch 11. §. 429.
Anm. 1. Nr. III, 3. S. 87. — Zur Bestätigung des Gesagten kann
auch noch const. 23. §.3. C. de nupt. (5,4) angeführt werden, verb.:
— salvam eis nihilominus existimationem servari praecipimus,
tam in aliis omnibus, quam ad transmittendam, quibus voluerint,
suam substantiam, et suscipiendam competentem sibi legibus ab
aliis relictam vel ab intestato delatam hereditatem. Denn
hier wird in der entschiedenen Absicht, das frühere Recht zu ändern,
die Erwerbsfähigkeit ebenso in Beziehung ans Jntestaterbschaften, als
auf testamentarische Erbschaften verliehen, was doch auf eine gleiche
Ausschließung hinsichtlich beider im früheren Rechte zurückschließen laßt.
Vgl. über const. 23. §. 3. dt. unten §. 3 und int Allgemeinen fr. 5.
I). ad S. C. Treb. (36, 1).

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