Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

W. S ell, Zur Lehre von der Jucapacität und Indignität- 427
Zu diesen Bemerkungen hat dem Verfasser der nachfol-
gende Rechtsfall Veranlassung gegeben, welcher vor einiger
Zeit bei dem Gerichte zu N. verhandelt worden ist, und sich
zur öffentlichen Mittheilung eignen dürfte, um in Verbindung
damit und in Beziehung darauf zugleich die in der Ucberschrift
bczeichnete Lehre etwas genauer zu betrachten: besonders aber
zu prüfen, ob und wie weit die römischen Vorschriften noch
heut zu Tage praktische Geltung behaupten.
§• 1.
Der gedachte Rechtsfall ist folgender:
A hatte eine foemina famosa oder mulier probrosa 2) ge-
heirathet, mit welcher er aber, weil sie ihren früheren unzüch-
in den Quellen werde der rechtliche Zustand von Seiten des bedingt
Berechtigten »als ein Zustand der Hoffnung bezeichnet«. Vgl.
meine Schrift über bedingte Traditionen. S. 16 ff. — Und bei dieser
Ansicht muß ich auch noch jetzt, trotz der versuchten Belehrungen des Herrn
(Gotting, fest beharren. Ich stütze mich dabei nicht allein auf den
voll Herrn Gotting etwas vornehm betrachteten Ausspruch von Ul-
pianus in fr. 54. I). de V. vS. (50, 16), sondern auch auf den Schluß
des von dem Herrn Vers. S. 243, wie oben schon bemerkt, wenig-
stens theilweise in seiner vollen Bedeutung anerkannten §.4. I.
de V. O. (3, 15 |16]). Dieser Schluß lautet: Ex conditionali stipu-
latione tantum spes est debitum iri, canique ipsam spem ad he-
redem transmittimus, si priusquam conditio exisfat, mors nolns
contigerit. Vgl. auch Theophil, ad h. I. — UebrigenS wird sich
wohl später Gelegenheit sindett, die gewöhnliche, auch von mir vertei-
digte, an sich ganz natürliche Theorie gegen die neue Wahrheit des
Herrn Gotting zu rechtfertigen, soserne diese neue Theorie überhaupt
irgetld einen Anklang fxnbcti sollte. Dabei würden auch ^ar mancherlei
Widersprüche und Inconvenienzett (vgl. z. B. nur S. 254 — 253) näher
zu berühren sein ie., sowie natürlich auch von meiner Seite offen gesagt
werdetl müßte, wenn mich Herr Gotting in Eintelnheiten etwa von
der Unrichtigkeit meiner früheren Ansicht überzeugt haben sollte.
*) In den Verhandlungen ist zugestandcn, daß die 'Krau durch ihren frü-
heren Lebenswandel in die Kategorie eitler foemina famosa oder
mulier probrosa |quae vulgo, palam ebet* c.o rpore quaestum facit]
zu rechnen sei. fr. 41. pr. fr. 42. 43. pr. §. 1 — 9. 1). de ritu IIU-
ptiar. (23, 2). Das Nähere weiter unten.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer