Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

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W. Sell, zur Lehre von der Errichtung der Testamente.
den, ohne Rücksicht darauf, ob der ununterbrochene Te-
sti ract aus einem Kalendertag in den andern hinüberreicht,
oder ob er an demselben Kalendertag begonnen hat und voll-
endet worden ist.
Dagegen ist in neuerer Zeit die Ansicht mit Scharfsinn
vertheidigt worden, daß in den angegebenen Worten der Quel-
len ein doppeltes Requisit enthalten sei: das Testament müsse
nämlich nicht allein
1) in einem der Zeit nach fortlaufenden, durch keine fremd-
artige Handlung unterbrochenen Testiract errichtet werden
(sog. unitas actus et temporis); sondern
2) der Act des Testirens dürfe außer der ununterbrochenen
Errichtung auch nicht aus einem Kalendertag in den an-
dern übergehen (sog. Einheit des Tages, unitas diei).
Demnach muß ein Testament als ungültig erscheinen, wenn
entweder unzulässige Unterbrechungen stattgefunden haben,
oder wenn trotz der ununterbrochenen Errichtung des Testa-
ments der Act des Testirens in zwei Kalendertage fällt; also
wenn z. B. die Testamentserrichtung 11% Uhr Nachts ange-
fangen hat und 12% Uhr vollendet worden ist * * 3).
Diese neue Theorie hat in einigen Lehrbüchern Beistim-
mung gesunden 4), in den meisten ist dagegen die ältere An-

s) Marezoll in der Zeitschrift für Civilrecht und Proceß. Bd. 4. Ab-
handl. IV. §. 3. S. 68— 73. Vgl. auch Fritz in der fünften Aus-
gabe von von Wening - Jngenheim's Lehrbuch. Buch V. §. 50.
(§. 447.) in Note c.
4) Thibaut, System des Pandekten-Rechts (8te Aust.) §. 829. Nr. II.
Note d, sagt unter Berufung auf Marezoll a. a. O.: »Außerdem
muß II.) eine Einheit der Handlung (unita« acius) beobachtet, d. h.
es darf dem ganzen, au demselben Tage und Orte zu vollen-
denden Acte keine, auf die testamentarische Disposition keinen Bezug
habende Handlung eiugemischt werden.« Vgl. damit die früheren
Ausgaben des Systems. — Ebenso heißt eS bei von Vangerow,
Leitfaden für Pandekten-Vorlefungen; II. §.444. S. 146. mit fpecieller
Hinweisung auf Marezoll a. a. O.: »Das zweite gemeinschaftliche
Erforderniß (für das schriftliche und mündliche Testament) ist die jetzt

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