Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

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Dr. Steman», lieber die fiduciaria lulela.

Gajus M) von der bonorum possessio sagt, welche aus dem
von einer Frau ohne Zuziehung ihres Vormundes errichteten
Testamente gegeben werden könne, sofern es. kein legitimus
wtor fei, so scheint es kaum bezweifelt werden zu können, daß
schon zur Zeit des Cicero eine solche bonorum possessio zu-
gelassen ward 35) in den Fallen, in welchen überhaupt damals
eine Frau zur Errichtung eines Testaments fähig war, nämlich
wenn sie eine capitis diminutio erlitten hatte36). Nimmt man
dieses aber an, so folgt daraus auch, daß schon damals die
auctoritas erzwungen werden konnte, indem die Zulässigkeit
der bonorum possessio dadurch begründet ward, daß der Vor-
mund seine Einwilligung doch nicht verweigern konnte, diese
also nur zum Scheine und der Form wegen ertheilt ward.
Weniger beweisend, obgleich wohl mit zur Bestätigung dienend,
möchte das sein, was Dernburg 37) dafür anführt, daß näm-
lich diese Tutel zur Erleichterung der Frau eingeführt worden
sei, die Erleichterung aber nicht begriffen werden könne, wenn
dieser Vormund seine auctoritas hätte verweigern können. Denn

") II. 121. sq.
35) Dieses nahm auch Zimmern an in den Heidelb. Jahrb. v. 1821
S. 478 und Dernburg, Gesch. der Röm. Test. S. 291 ff.
8e) Cicero spricht allgemein von capitis diminutio, GajnS dagegen
1. 115. a. äußert sich so, als ob durchaus nur durch coemiio eine
Frau das Recht zur Errichtung eines Testaments erhalte» konnte, je-
doch exceptis quibusdam personis, worunter wohl nicht bloß die Vt-
stalinnen zu verstehen sind. ES scheint vielmehr der Grundsatz gegol-
ten zu haben, daß eine Frau, so lange sie nicht aus der Familie heraus-
gekommen und dadurch die Besorgniß vor der Entfremdung des Fami-
lienvermögens aufgehoben fei, kein Testament solle machen dürfen.
Daher war diese Unfähigkeit wohl nicht bei einer emancipirtrn Tochter;
die in Adoption gegebene dagegen war gewiß in der Adoptivfamilie
in derselben Lage, wie vorher in der natürlichen. Daß auch eine liberta
schon vor der lex Papia Poppaea ein Testament auctore tutore, und
also nachher vermöge des jus qualuor liberorum auch allein, errich-
ten konnte, geht auS Gajus HL 43 sq. Ulpian. XXIX. 3. hervor.
*7) a. a. O. S. 291.

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