Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

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Dr. Stemann, Ueber die fiduciaria tutela.
zur Aufhebung des Familienverhaltnifses benutzt ward, welche
bei einer femina sui juris nur durch in tnanunt conventio
bewerkstelligt werden konnte23). Auch scheint der Zweck einer
solchen coemtio, zu welcher ja selbst die auctoritas des Vor-
mundes erforderlich war, nicht so sehr die Befreiung von die-
sem einzelnen Vormunde, als von der legitima tutela über-
haupt, auch der entfernteren Agnaten oder der Kinder des
Patrons, gewesen zu sein 24). Endlich war, wenigstens seit
der Zeit, da bei allen Vormündern, außer dem legitimus, die
auctoritas erzwungen werden konnte23), bei den übrigen kein
Grund zu einer solchen coemtio vorhanden.
Beide Falle der fiduciaria tutela beruhten mithin auf
einer, gewöhnlich nur zum Zwecke der Aufhebung der patria
potestas oder der manus vorgenommenen Maneipation und
auf dem dadurch entstandenen imaginären mancipium. Nach-
dem aber die coemtio, vielleicht erst mit der muliebris tutela
selbst, abgekommen und von Justinian die noxae datio der
Kinder und die alte Form der Emaneipation, damit also zu-
gleich jedes mancipium aufgehoben war, so sielen auch jene
Falle der eigentlichen fiduciaria tutela weg, und im Justim'a-
neischen Rechte konnte daher dieser nur noch erwähnt werden
in Beziehung auf die in der Familie gebliebenen Descendenten
des parens manumissor* **), welche aber, wie wir jetzt aus

*3) Bei einer filiafamilias konnte derselbe Zweck durch Emancipatio» erreicht
werden; es kam daher bei ihr woht nicht leicht eine solche coemtio vor.
*4) Hugo, S. 449. Zimmern, S. 875. GajuS führt sie nur beider
Patronatstutel an, also nicht bei der legitima parentis tutela. Bei
dieser war aber auch nicht der im Terte angegebene Grund vorhanden,
da die emancipirte Tochter nach dem Tode deS Vaters ohnehlu nur in
eine fiduciaria tutela kam.
4i) Gajus I. 190. 192. Davon wird noch unten die Rede sein.
se) Tit. I. de fid. tut. 1.4 D. de leg. tut. Diese Stelle von Modestin
scheint besonders auch dem Titel in den Institutionen zum Grunde zu
liegen.

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