Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

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wegen Fehler an leblosen Sachen.
diesen Punkt ließe sich nun viel hin und her streiten, gäbe nicht
eine deutlich redende Gesetzesstelle uns eine rasche Entscheidung
der Frage an die Hand.
Derselbe Ulpian, von welchem die oben ausgehobene L.
49 herrührt, sagt nämlich in
L. 19. §. 1. D. locati:
»8i quis dolia vitiosa ignarus locaverit, deinde vi-
num effluxerit, tenebitur in id quod interest, nec
ignorantia ejus erit excusata, et ita Cassius
scripsit. Aliter atque si saltum pascuum locasti,
in quo mala herba nascebatur; hic enim si pecora
demortua sunt, vel etiam deteriora facta, quod inter-
es! praestabitur, si scisti; si ignorasti, pensionem
non petes: et ita Servio, Labeoni, Sabino placuit.»
Der Sinn dieser Worte, dessen Auffassung durch keine
Zweideutigkeit gehindert wird, liegt zu Tage.
Der Vermiether sd)adhaster Fässer haftet für das volle
Interesse (.iä quod interest»), gleichviel ob er den Fehler ge-
kannt oder nicht. Denn seine Unwissenheit wird hier als eine
durch eigene Schuld veranlaßte angesehen. Anders, sagt der
Jurist, ist der Fall zu behandeln, wenn Jemand eine Wiese,
welche schädliche Kräuter hervorbringt, verpachtet hat. Hier
trifft den Verkäufer die Verpflichtung zur Leistung des vollen
Interesse erst im Falle eines dolus. War dagegen die Be-
schaffenheit der Wiese ihm unbekannt, so umfaßt seine Ver-
bindlichkeit bloß das unmittelbare Interesse, d. h. hier: er
verliert bei der gänzlichen Unergiebigkeit der Sache das ganze
Pachtgeld.
Die Entscheidung dieses Falles beruht mithin gerade auf der
Ansicht, daß die UnbekarMtschaft des Verkäufers mit der schäd-
lichen Beschaffenheit der auf einem ländlichen Grundstücke wach-
senden Kräuter sich nicht als eine verschuldete betrachten lasset).
**) Diesem klaren Sinn der Tertesworte zuwider bringt Busch (a. a. O.
S. 241) die beiden Fälle, welche von Ulpian einander geradezu ent-

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